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Die Lichtverschmutzung

self-Logo 04.07.2024 Defne Cavus, Klasse 9a, Gymnasium Friedrich II

Die dunkle Seite des Lichts – Lichtverschmutzung bedroht die Nacht

Die Sterne verblassen, die Nächte leuchten – und das nicht nur im positiven Sinne. Unsere Nächte sind heller als je zuvor, doch diese künstliche Helligkeit hat ihren Preis: Sie stört die Natur, gefährdet Tiere und beeinträchtigt unsere Gesundheit. In einer Welt, in welcher der Sternenhimmel kaum noch sichtbar ist, müssen wir uns fragen: Ist mehr Licht wirklich besser?

Heutzutage wird in den Nachrichten häufiger über Umweltverschmutzungen diskutiert, wie zum Beispiel Wasserverschmutzung, Luftverschmutzung und Waldverschmutzung. Niemand aber redet über die Lichtverschmutzung, die zu einem immer größeren Problem wird.

Die Lichtverschmutzung wird definiert als unerwünschte Beleuchtung in der Nacht, als künstliche Aufhellung des Nachthimmels, welche die natürliche Dunkelheit stört, und wird meistens von Großstädten produziert, wo fast rund um die Uhr Betrieb herrscht und die Straßen immer beleuchtet sind. Dies hat negative Auswirkungen auf Mensch, Tier und Natur.

In vielen größeren Städten bemerkt man schon die Auswirkungen der Lichtverschmutzung. Die Beleuchtung in Städten führt dazu, dass der Nachthimmel erhellt und die Nacht zum Tag wird, dadurch sind immer weniger Sterne sichtbar und auch der Lebenszyklus von Tieren und Pflanzen wird stark beeinflusst. In Studien wird gezeigt, dass besonders das Verhalten, die Fortpflanzung und die Nahrungssuche von nachtaktiven Tieren durch das künstliche Licht in der Nacht beeinträchtigt werden. Da 60% der Tiere nachtaktiv sind, hat die Lichtverschmutzung auf diese einen besonders großen Einfluss. Bei Tieren, insbesondere bei Vögeln, kann es zur Desorientierung kommen und dadurch könnten sie zum Beispiel gegen Gebäude fliegen. Diese Desorientierung ist laut einer Studie auch sehr häufig bei Zugvögeln zu sehen. Zugvögel haben einen so genannten Magnetsinn im Auge, der Untersuchungen zufolge lichtempfindlich ist. Zudem spielt die Wellenlinie des Lichtes eine Rolle. Bei diesen Untersuchungen kam heraus, dass Rotkehlchen auf gelbes bzw. rotes Licht desorientierter reagieren als auf blaues, türkises oder grünes Licht. Dies liegt daran, dass das tierische Sehorgan anders funktioniert als das menschliche. Menschen haben nämlich nur drei Zapfensorten, wohingegen Tiere über vier verfügen und das führt dazu, dass Tiere, insbesondere Vögel, deutlich mehr sehen können und ein größeres Farbspektrum besitzen. Lichtverschmutzung beeinträchtigt nicht nur Vögel, sondern auch Fische, die beispielsweise bei Laichwanderungen durch Lichtbarrieren behindert werden. Des Weiteren wird durch Lichtverschmutzung auch der Vegetationszyklus von Pflanzen gestört. In dem Fall kommt es meistens dazu, dass Bäume zu früh blühen oder früher ihr Laub abwerfen. Zusätzlich wird der Produktions-Rhythmus von Duft und Nektar gestört und durch die sehr helle Beleuchtung nehmen die Bäume im Winter an, dass es noch Sommer sei, und dies hat Frostschäden zur Folge. Offensichtlich werden nicht nur Säugetiere und Reptilien von der Lichtverschmutzung beeinflusst, sondern auch die artenreichste Klasse von Tieren, die Insekten. Etwa zwei Drittel der in Deutschland vorkommenden Insekten sind nachtaktiv und viele davon gefährdet. Straßenlaternen und Gebäudestrahler ziehen diese an, wodurch die Tiere an Erschöpfung verenden oder ihre Orientierung verlieren. Nachtaktive, flugfähige Insekten orientieren sich nachts normalerweise am schwachen Licht der Gestirne. Den meisten reicht beispielsweise die geringe Helligkeit des Mondes für die Futter- und Partnersuche. Künstliche Lichtquellen, wie Straßenlaternen oder Außenbeleuchtung an Gebäuden, üben auf viele Insekten eine große Anziehungskraft aus und locken sie aus ihren natürlichen Lebensräumen. Sie können sich an den Lampen weder fortpflanzen, noch Eier ablegen oder Nahrung aufnehmen.

Neben den ökologischen Folgen hat die Lichtverschmutzung auch Auswirkungen auf den Menschen. Die Menschen in den Großstädten sind meistens müder. Das liegt am natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus, der durch die künstliche Beleuchtung gestört wird, und somit auch der Schlaf der Menschen, die in diesen größeren Städten leben. Dies führt meistens zu gesundheitlichen Problemen. Wenn wir Menschen uns bei Nacht nicht gut erholen können, hat dies Folgen: Schlafmangel, Schlafstörungen und Konzentrationsschwäche, verursacht durch die beiden Hormone Melatonin und Östrogen. Diese sind Schlafhormone, welche unser Gehirn abends bei Dunkelheit ausschüttet und die uns müde machen, damit wir einen erholsameren Schlaf bekommen und morgens besser aufstehen können. Aber durch das künstliche Licht wird Melatonin zeitlich später ausgeschüttet und sogar weniger produziert, sodass unser Schlaf verkürzt wird und es weniger Antioxidantien gibt, die als wichtige Mechanismen unserer Immunabwehr dienen. Genau das führt zu häufigerem Auftreten von Krankheiten, sodass sogar auf langfristige Sicht das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht werden kann. Zusätzlich hat die Störung des Tag-Nacht-Rhythmus negative Auswirkungen auf die Psyche von Menschen; eine dieser Auswirkungen wären Depressionen. Es ist sogar möglich, dass zu viel Beleuchtung zu Krebserkrankungen bei Menschen führen kann.

Wir können die Lichtverschmutzung nicht absolut vermeiden, aber wir können Maßnahmen ergreifen, um diese einzudämmen, damit wir nicht nur uns selbst schützen, sondern auch unsere Umwelt und andere Lebewesen, zum Beispiel indem man eine effizientere Beleuchtungsmethode findet oder auf Webseiten spendet, die sich mit Projekten in diesem Bereich engagieren. Außerdem haben schon viele Städte und Gemeinden weltweit Maßnahmen ergriffen, um die Lichtverschmutzung zu reduzieren. Dazu gehören die Installation von effizienteren Straßenlaternen, die Abschirmung von Lichtquellen, die Reduzierung der Beleuchtungsstärke und die Einführung von Lichtmanagementplänen. In Deutschland setzen Städte wie Berlin und Hamburg auf intelligente Beleuchtungssysteme, die sich an den tatsächlichen Bedarf anpassen und so Energie sparen und die Lichtverschmutzung reduzieren.

Seit der Erfindung der elektrischen Glühlampe durch Thomas Edison im Jahr 1879 begann eine Revolution der Beleuchtung, die sehr viele positive und nützliche Sachen mit sich brachte und uns die Nacht erhellte. Daher vergisst die Mehrzahl unserer Bevölkerung oft die Schattenseiten.

Es liegt an uns, die Balance zu finden und dafür Sorge tragen, dass die dunkle Seite des Lichts nicht gewinnt.


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