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Der Boykott eines Weltunternehmens

self-Logo 04.07.2024 Noah-Ben Fercho, Klasse 9a, Gymnasium Friedrich II

 

Nestlés Skandale gingen um die Welt. Doch kann man den Konzern überhaupt umgehen? Von einem Projekt, das sich als schwieriger erwies, als gedacht.

Meine Mutter hat mich einkaufen geschickt. Ich stehe im Supermarkt mit einer Liste auf einem Zettel. Statt einfach wie sonst alles in den Wagen zu packen und Richtung Kasse abzudampfen, stehe ich nun ziemlich ratlos vor dem Regal: Ich muss ja vermeiden, Nestlé-Produkte zu erwischen.

 

„Dort, wo das Wasser ohnehin schon knapp ist, pumpt Nestlé es ab“. So oder ähnlich klingen viele Artikel zu den Nestlé-Skandalen. Denn der Konzern hat mit einigen Regierungen afrikanischer Länder Verträge, die dem Konzern erlauben das Grundwasser der jeweiligen Länder abzupumpen und für die Produktion von Lebensmitteln oder auch einfach zum Abfüllen und zum Verkauf als Mineralwasser zu verwenden. Dies hat allerdings zur Folge, dass das Wasser für die Bevölkerung nicht mehr ausreicht: Die zuvor der Bevölkerung zugänglichen Brunnen werden zugeschüttet und die ortsansässigen Leute müssen das Wasser, das sie bisher umsonst dort geholt haben, in Flaschen abgefüllt für teures Geld, das sie nicht haben, von Nestlé kaufen. Die Konsequenzen kann man sich ziemlich gut vorstellen.

 

Dies ist jedoch nur ein Skandal von vielen. Zum Beispiel gibt es auch Berichte über Kinderarbeit im Konzern. Deshalb versuchen viele Menschen keine oder nur noch wenige Produkte von Nestlé zu kaufen. Doch wie leicht ist dies möglich? Das habe ich mich gefragt und dies zwei Wochen lang ausprobiert. Zu Beginn meines Projekts habe ich mich erst darüber Informiert, welche Marken eigentlich überhaupt zum Großkonzern gehören. Tatsächlich gibt es weitaus mehr Unternehmen, die mit Nestlé in Verbindung stehen, als man vermuten könnte. Denn die Anzahl der Eigenmarken Nestlés liegt bei ca. 2000 weltweit, als Beispiel dienen folgende, weithin bekannte Namen: Loreal, Thomy, Cini Minis, Maggi, Schöller oder Mövenpick.

 

Zu Beginn musste ich mein Frühstück ändern. Denn von Müsli musste ich mich für zwei Wochen verabschieden. Als Ersatz gab es Bauernbrot. Mittags bin ich auf das erste Problem gestoßen, denn was ich nicht beachtet habe, war das Mensaessen, worauf ich natürlich keinen Einfluss habe. Zu Abend haben dann meine Eltern darauf geachtet, keine Nestlé-Produkte aufzutischen. Auch in den nächsten Tagen lief mein Leben sehr ähnlich, jedoch hatte ich nach ein paar Tagen keine Lust mehr auf Brot. Und meine Lust wurde immer weniger.

 

Weniger wurde auch das Verständnis Nestlés an der Kritik. Laut Medienberichten sagte ein Pressesprecher, dass man grundsätzlich die Kritik verstehe, man jedoch stark an sich gearbeitet habe. Deshalb weise man die Kritik zurück.

 

Je länger mein Versuch andauerte, desto schwieriger wurde es. Denn nach sechs Tagen habe ich beschlossen, den Versuch so zu verändern, dass ich so viel Nestlé wie möglich vermeide, was mir mehr Freiheiten gab. So verlief dann meine letzte Versuchswoche hauptsächlich problemlos ab.

 

Jedoch verlief die Zeit für Nestlé nach den Skandalen nicht so problemlos. Die Umsätze des Unternehmens waren 2010 und 2011 noch bei über 111 Milliarden. Diese Zahlen konnte der Konzern nie mehr erreichen und kommt seitdem auf maximal 93 Milliarden.

 

Dennoch kommen immer wieder neue Skandale ans Licht, welche die Verkaufszahlen aber nicht mehr stark beeinflussen. Das verdeutlicht auch nochmals die Monopolstellung des Unternehmens, denn als Normalverbraucher kommt man fast nicht um Nestlé drumherum.

 

So erging es auch meiner Familie, denn während des Projekts haben wir bemerkt, dass es sehr schwer ist, die Produkte des Konzerns komplett zu umgehen. Was könnte man tun? Zunächst einmal müsste die Allgemeinheit noch besser über die unlautere Vorgehensweise des Großkonzerns sowie über seine verkappte Präsenz im Supermarkt in Form der verschiedenen Eigenmarken aufgeklärt werden. (Dazu trägt dieser Artikel hoffentlich seinen Teil bei.) Des Weiteren braucht es aber auch mehr Alternativen, wobei die Politik ins Spiel kommt: Manche Firmen müssten in ihrer Monopolstellung dringend eingeschränkt werden.

 

 

 

 

 


Tim
08.07.2024 11:07 Uhr
Guter Artikel! Sehr informativ und gut Formuliert Noah!

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