Schülerartikel

Johannes Kohlhepp, Patrick Cosack | Lion-Feuchtwanger-Gymnasium | 10 | München | 01.02.2018

Smarte Städte für Senioren

Neue Informationssysteme sollen Alltag erleichtern

Der 72-jährige Andreas Schmitt nimmt abends lieber die Abkürzung durch den unbeleuchteten Park, weil er sich nicht über die stark befahrene Hauptstraße traut. Doch der Park ist nicht sicherer. Zwei Männer mit Baseballschlägern bewaffnet, stürmen auf ihn zu, schlagen ihn zusammen und rauben ihn aus. Der Rentner entkommt dem Tod nur knapp. Seitdem wagt er sich kaum noch aus dem Haus. Der Vorgang ist erfunden, dennoch ist es ein Fall, den man so oder ähnlich bisweilen in den Nachrichten lesen oder hören kann. Viele Senioren haben Ängste. Sie fühlen sich auf den Straßen und bei Dunkelheit draußen oft nicht mehr sicher. Dem will das Projekt „UrbanLife+“ abhelfen. Mit diversen Partnern, wie den Universitäten Höhenheim und Leipzig, untersuchen Wissenschaftler der Universität der Bundeswehr derzeit in den Stadtvierteln Rheindahlen und Hardterbroich in Mönchengladbach, wie sie das Alltagsleben von Senioren vereinfachen und sicherer machen können. Ziel ist es, Senioren durch smarte Objekte zu unterstützen und somit ein seniorengerechtes Stadtviertel zu schaffen. Dazu wurde eine Umfrage für Bewohner über65Jahre gestartet. Ergebnis: Die meisten Senioren wohnen ohne Unterstützung zu Hause und nutzen regelmäßig das Internet. Zudem zeigte sich, dass die Senioren oftmals fit und gesund genug sind, um sich am öffentlichen Leben zu beteiligen. Sie fühlten sich jedoch eingeschränkt, beispielsweise durch fehlende Beleuchtung in dunklen Ecken und wünschten sich mehr Sicherheit, aber auch Bequemlichkeit. Etwa mehr Sitzgelegenheiten, mehr öffentliche Toiletten, mehr Fußgängerampeln oder Lösungen für oft unüberwindbare Hindernisse wie Treppen oder schlecht asphaltierte Wege. Genau hier will „Urban Life+“ ansetzen. In den kommenden Jahren sollen mehr Ampeln, mehr Straßenlaternen und Laternenpfosten, die heller strahlen, eingerichtet werden. Zudem sollen Städte mehr komfortablere und seniorengerechtere Sitzgelegenheiten bekommen. Absenkbare Bänke zum Beispiel, die älteren Menschen das Aufstehen erleichtern. Zudem sind übersichtliche und leicht zu bedienende Infotafeln an zentralen Orten, wie Bushaltestellen, geplant. Bürger, egal welchen Alters, können sich hier kostenlos über aktuelle Themen informieren. Wie wird das Wetter? Wo ist die nächste Einkaufsmöglichkeit? Ein gutes Restaurant? Wann kommt der nächste Bus? Diese Tafeln sollen die Menschen auch motivieren, an Veranstaltungen und am sozialen Leben in ihrem Viertel teilzunehmen. Prototypen dazu gibt es bereits. Allerdings sind hier noch einige Fragen ungeklärt, zum Beispiel wie diese Informationstafeln vor Randalieren geschützt werden sollen. 2020 weiß man mehr. Solange läuft das Projekt in Mönchengladbach. Sollte es von Erfolg gekrönt sein, wird „UrbanLife+“ auch in weiteren Städten anlaufen.



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