Schülerartikel

Merle Müller, Flora Wiesmeier | Luisengymansium | 9 | München | 28.07.2017

Die unbekannte Seite des Konzerns

Lidl kennen die meisten als Discounter. Nur wenige wissen, dass sich das Unternehmen auch für Umwelt und Soziales engagiert – etwa mit Lebensmittelspenden und Millionenbeträgen

Lidl ist ein weltweit agierender Discounter und nicht bekannt für sein soziales Engagement und Umweltbewusstsein. Deshalb haben wir nachgefragt, wie es damit aussieht. Relativ unbekannt sind die Bemühungen des Konzerns, diverse Hilfsorganisationen zu unterstützen. Kritiker mögen das als Imagepflegewerten, aber auf diese Weise wird Menschen geholfen, die nicht einmal die niedrigsten Preise bezahlen können. Produkte, die nicht mehr verkauft werden können, werden beispielsweise an die regionale Tafel gespendet. Es handelt sich hierbei aber nicht um verdorbene Lebensmittel, sondern nur um solche, welche die Kundenrestlaufzeit überschritten haben oder die aufgrund ihres Aussehens vom Kunden nicht mehr gekauft werden würden. Kühlpflichtige Lebensmittel wie Milch oder Joghurt werden grundsätzlich von der Spende ausgeschlossen. Auch das Geld aus den Pfandautomaten geht an die Tafel. Die Pfandflaschenrückgabe ist seit 2006 gesetzlich vorgeschrieben. Lidl-Kunden können sich entscheiden, ob sie ihr Pfandgeld wiederhaben oder es an den Tafelverband spenden wollen. Die Beträge gehen zu 100 Prozent an die jeweilige Tafel. Alle Tafeln deutschlandweit können sich für dieses Geld bewerben, sie müssen jedoch den Verwendungszweck transparent machen. Auf diese Weise bekommen Arme beispielsweise eine warme Mahlzeit mehr am Tag oder Kinder aus sozial schwachen Familien den Sportverein oder eine Mittagsbetreuung gesponsert. Für Kunden sind es winzige Beträge, doch dadurch kommen hohe Beträge zusammen, die Bedürftigen helfen, ihre Probleme zumindest ein bisschen zu lindern. Mit den Lebensmittel und Pfandgeldspenden sind in zehn Jahren etwa zwölf Millionen Euro für 1600 Tafelprojekte zusammengekommen. Die Wohltäter sind hier also vor allem Lidl- Kunden, der Konzern kümmert sich aber um die Abwicklung. Jeder Lidl-Auszubildende wird übrigens in das Tafelprojekt eingebunden, sei es bei der Lebensmittel oder Essensausgabe oder in der Küche. Wie viel Prozent seines Umsatzes der Konzern insgesamt für sonstige Spenden ausgibt, ließ sich nicht ermitteln, da Lidl prinzipiell keine Angaben zum Umsatz macht. Unterstützt werden aber die internationale Hilfsorganisation „Ein Herz für Kinder“ sowie der von Uschi Glas gegründeten Verein „Brotzeit e.V.“, ein Projekt, das Kindern am Rande der Gesellschaft ein gesundes Frühstück und Hilfe bei der Hausaufgabenbetreuung bietet. Lidl spendet für dieses Projekt jährlich etwa35000Kilogramm Lebensmittel. Auch bei der Lidl- Fruchtschule geht es ums Essen. Grundschulkinder sollen hier von Ökotrophologen ein Bewusstsein für gesunde Ernährung vermittelt bekommen. In Sachen Umweltschutz widmet sich Lidl insbesondere dem Recycling. Ziel ist es, Pfandflaschen möglichst zu 100 Prozent wiederzuverwerten. Bislang werden die zu Ballen gepressten Plastikflaschen bereits zu 90 Prozent recycelt, der Rest wird noch „normal“ entsorgt. Die neu produzierten Flaschen bestehen daherimmerhinzumehrals50Prozent aus dem Material alter Flaschen. Die Wiederverwertung ist ein enormer Aufwand, sorgt aber für eine bessere Ökobilanz. Durch die Wiederverwendung der teuren Rohstoffe wird nämlich der jährliche CO2-Ausstoß um 50000 Tonnen verringert, und es können 66 Prozent der Rohstoffe eingespart werden. Allerdings braucht man bei diesem Konzept zusätzliche Transporte vom Zentrallager zu den Filialen? Und die verursachen wiederum mehr CO2-Ausstoß. Auf Nachfrage erklärt Verwaltungsleiter Daniel Mackenrodt, dass man hier versuche, Extrafahrten zu vermeiden und alle Lkws auf der Hin-und Rückfahrt maximalauszulasten. Wenn Ware in die Filialen geliefert wird, nimmt der Fahrer auf der Rückfahrt die wieder verwendbaren Pfandflaschen mit. Jedes vom Zentrallager ausgehende Fahrzeug wird möglichst zu100Prozent beladen, um die Zahl der Transporte zu dezimieren. Zweiter Punkt beim Thema Umweltschutz ist die Müllvermeidung. An der Kasse hat der Kunde die Wahl zwischen einer Papier-, einer Permanenttragetasche oder einer fair hergestellten Baumwolltasche. Das bieten aber inzwischen alle Supermärkte an. Seit 2009 unterstützt Lidl auch die Initiative Pro Recyclingpapier (IPR),die sich dem nachhaltigen Papierverbrauch verschrieben haben. Beim Thema Energienutzung ist der Konzern nur bei den eigenen Gebäuden aktiv. Sogenannte Integralanlagen bewirken, dass die damit ausgestatteten Filialen mit der Abwärme der Kühlanlagen über eine Art Fußbodenheizung beheizt werden. Die neuen Gebäude kommen somit ohne fossile Energieträger wie Öl und Gas aus. Über Wärmetauscher wird auch der Kühlbedarf der Filiale abgedeckt. Das hat nicht nur mit Umweltbewusstsein zu tun. Durch diese Maßnahmen spart der Konzern nämlich bei Neubauten auch bares Geld: bis zu 100 Prozent der Heizenergie und erreicht eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes um 30 Prozent. Dies entspricht bei der Unternehmensgröße von Lidl in etwa der Heizenergie von 1500 Einfamilienhäusern und dem CO2-Ausstoß von 10000 Pkws jährlich. Wärme- und Stromsparen gilt auch in den meisten Filialen. Sei es über Beleuchtung, Dämmung oder Lüftung. Alle Filialen werden, den Außenraum eingeschlossen, mit LED-Lampen beleuchtet, Nebenräume nur bedarfsabhängig. Für eine ergiebigere Wärmedämmung sorgen effiziente Belüftungsanlagen, und die neuen Kälteanlagen werden nur noch mit natürlichen Kühlmitteln betrieben. Und bei den Dämmmaterialien geht Lidl über die gesetzlichen Anforderungen hinaus, um maximal Energie und nicht zuletzt Kosten zu sparen. Neben zahlreichen Maßnahmen zum Umweltschutz in den eigenen Gebäuden unterstützt Lidl auch außerhalb Initiativen, die sich mit diesem Thema befassen. Dazu zählen die Deutsche Energieagentur (dena)und deren Stromsparinitiative Energieeffizienz. Zur Nachhaltigkeit zählt für den Konzern übrigens auch eine faire Bezahlung. Das beginnt bei einer Aufstockung des Mindestlohns auf zwölf Euro pro Stunde und setzt sich fort bei der Abschaffung von befristeten Arbeitsverträgen. Auch Fortbildungen, Weihnachtspakete oder kostenlose Gesundheitsprogramme für die Mitarbeiter sind im Angebot. Lidl verlangt zwar viel, aber man tut auch etwas, um die Leute zu halten.



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