Schülerartikel

Jacqueline Kluge, Deborah Röslmair | BOS Wirtschaft | 12 | München | 28.07.2017

Tägliche Herausforderung

Im Logistikzentrum Anzing sorgen 200 Mitarbeiter dafür, dass 90 Filialen ihre Waren pünktlich geliefert bekommen

30 Länder, 10000 Filialen und allein in Deutschland mehr als 78000 Mitarbeiter. Bei diesen Zahlen ist es kaum verwunderlich, dass Lidl in der Discounterbranche zu einem der stärksten Unternehmen weltweit gehört. Doch welcher logistische Aufwand steckt hinter dem Lebensmittelgiganten? Eine Recherchereise zu Lidl soll Erkenntnisse bringen. S-Bahnhof in Poing. Per Shuttlebus geht es weiter in das Logistikzentrum des LebensmitteldiscountersLidl imGewerbegebiet Anzing. Wir werden freundlich von sechs Lidl-Mitarbeitern begrüßt, die zum Führungspersonal gehören und erhalten erst einmal ein kleines Frühstück. Während der anschließenden Präsentation des Unternehmens dürfen wir Fragen stellen. Fünf Fußballfelder – diese Fläche von insgesamt 32000 Quadratmetern umfasst das Münchner Logistiklager des Lebensmitteldiscounters Lidl. Von hier aus werden Lebensmittel und andere Produkte direktandie rund90Filialen inundumMünchen geliefert. Die Produkte kommen aus der ganzen Welt, bei Lebensmitteln wird jedoch darauf geachtet, dass möglichst viel aus der Region kommt. Was es in den Filialen zukaufengibt, wirdvonder Zentrale ausgesucht. Jeden Tag werden von den 200Mitarbeiternmehrals2200Europaletten für die Lidl-Filialen bereitgestellt und ausgeliefert, das entspricht etwa 90 Tonnen anWare. Doch jedes Großunternehmen hat auch einmal klein angefangen: Die erste Filiale wurde 1973 in Ludwigshafen-Mundenheim eröffnet. Heute ist Lidl bereits in 30 Ländern vertreten. Das System der Warenbereitstellung, der Einlagerung und der Distribution in die einzelnen Filialenist in jedem Logistikzentrum des Konzerns identisch. Die Waren werden bei Wareneingang je nach Art inBlocklager (hier wirdaufPaletten ausgeliefert), Hochregallager für Waren, die bis zu drei Monaten gelagert werden, Non- Food-Lager oder in Kühllager einsortiert. Ins sechs Grad kühle Kühllager gelangt mandurch eine Kühlschleuse,umdieKühlkette einzuhalten. Auch die Entsorgungsabteilung ist hier untergebracht. Täglich kommen hier 2500 Europaletten an Kartons und Verpackungsmüll aus den Filialen zurück. Allein in Anzing werden pro Tag drei Tonnen Papier verwertet. Das Papier und die Folien werden übrigens getrennt, gepresst undweiterverkauft. Für eine Tonne Papier bekommt man auf dem Markt 100 Euro, für gepresste Plastikflaschen 150 und für Folien 350 Euro. Nach dem Überblick über den Aufbau des Lagers führt uns Jens Mattersteig, Abteilungsleiter für dieWarenbereitstellung, durch die Anzinger Lagerhalle und stellt uns die einzelnen Blocklager vor. Obwohl das Lager eines der kleineren des Unternehmens ist, beeindruckt uns die Größe. Undauch imminus24GradeisigenKühllager dürften die meisten von uns wohl zum ersten Mal gewesen sein. Gut zu wissen, dass die Mitarbeiter dort mit spezieller wärmender Schutzbekleidung ausgestattet sind. Um alle Filialen optimal zu beliefern, werden die Filialbestellungenmanuell von den Mitarbeitern zusammengestellt. Dabei werden die Angestellten im Münchner Lager, um zeitintensive Umwege zu vermeiden, per Headset zu der richtigen Warenposition der circa 1600 Artikel gelotst. Damit ein reibungsloser Ablauf garantiertwerden kann, muss jeder Mitarbeiter, unabhängig vonseinerNationalität,50einfache Sprachbefehle verstehen können. Pro Tag werden auf diese Weise 180 000 Kartons für die rund 90 umliegenden Lidl- Filialen gepackt und abholbereit auf Europaletten in derWarenausgabe platziert. Beschädigte Artikel werden schon beim Wareneingang aussortiert. Von Anzing aus transportieren35LkwsdieWare in90Touren à zehn Stunden zu den einzelnen Discountern, damit diese ihre bestellten Artikel rechtzeitig vor Ladenöffnung erhalten und wir bei unserem nächsten Einkauf vor frisch gefüllten Regalen stehen. Einmal einen Blick hinter diese Regale zuwerfen und mehr über die internenMechanismen, insbesondere im Bereich der Logistik, bei Lidl zu erfahren, das war das Ziel unseres Ausflugs in das Lidl Logistikzentrum. Undtatsächlich haben wiran diesemTag vielNeues über dasUnternehmen gelernt, bei dem viele von uns regelmäßig ihren Kühlschrank füllen.



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