Schülerartikel

Daniel Horne | Montessori Fachoberschule (MOS) | 12 | München | 15.03.2017

Ein Spiel, das Leben rettet

Das Projekt „San Train“ trainiert Soldaten in Erster Hilfe

Während eine Mischung aus heißem Wind und Gewehrfeuer noch in den Ohren hallt, wird der „Bravo“, ein Helfer des Bundeswehrtrupps, zur Versorgung von Verwundeten gerufen. Von flinken Tastenbewegungen gesteuert, eilt der Soldat zum Verletzten und trägt ihn in Deckung. Solche Szenen fanden beim Recherchetermin an der Bundeswehruniversität auf eleganten Bildschirmen statt. Das „serious game“ San Train befindet sich aktuell in der Entwicklung mit dem Ziel, eine virtuelle Trainingsmöglichkeit für die Ersthelfer „Bravo“ der Bundeswehr zu bieten. Wer nun übertriebene Szenen erwartet, die einem Action- Film entstammen könnten, ist weit vom eigentlichen Pfad entfernt: Das Spiel dient der taktischen Verwundetenversorgung und ist ein Abbild der Einsätze, in die die Ersthelfer der Bundeswehr geraten können und berücksichtigt dabei die exakten Vorschriften, Parameter und Ausrüstungsgegenstände der Realität. Die Beta-Version des Spiels wurde uns im Rahmen eines Vortrags von Axel Lehmann, Professor am Institut für Technische Informatik, und seinem Mitarbeiter Marko Hoffmann vorgestellt, in dem wir uns ausgiebig mit der Simulation befassen konnten. Der „Bravo“ ist kein gewöhnlicher Ersthelfer, wie man ihn in einem zivilen Kurs erlernen würde. Er ist ermächtigt, zusätzliche Maßnahmen vorzunehmen und ist dementsprechend auch mit einem erweiterten Erste-Hilfe Rucksack ausgerüstet. Für einige von uns war der Einstieg in jene Simulation daher mit einigen Fragezeichen versehen. Der „Bravo“ besitzt Ausrüstungsgegenstände, wie etwa zur Überstützung der Atmung oder ein Tourniquet zum Stoppen von Blutungen. Der Einsatz dieser Gegenstände ist für einen zivil ausgebildeten Ersthelfer teilweise verboten und wird daher für diese nicht geschult. Die Version des Spiels bot vier Missionen und ein Endlosspiel. Während die Szenarien einer genau definierten Situation folgten, die von einer Vorstellung der Aufgaben des „Bravos“ über einen kleinen Einsatz bis zu komplexen Unfällen durch Feindbeschuss mit extremem Zeitdruck reichten, steuerte ein Zufallsgenerator das Endlosspiel: Die Spielerfigur konnte jederzeit während einer Patrouille in diverse Notfälle verwickelt werden. Dabei soll das Spiel eine Analyse der Fähigkeiten des Spielers vornehmen, beispielsweise Wunden zu versorgen, und die Mission für ein effektiveres Training entsprechend anpassen. Hätte der Spieler also Schwierigkeiten, etwa mit bewusstlosen Personen, würde ihn das Spiel mit einer Vielzahl an unterschiedlichen Einsätzen während des Endlosspiels versorgen, die diverse Situationen eines Bewusstlosen nachstellen. Der Detailgrad berücksichtigt nicht nur Beeinträchtigungen von Atmung, Herz oder Blutgefäßen durch Verwundungen, sondern beinhaltet alle physiologischen Eigenschaften, die maßgeblich über das Ausmaß der Verletzungen entscheiden können. Die Versorgung des Patienten entspricht daher der Realität und verlangt das gesamte Training der Ersthelfer. Das Potenzial dieses „serious games“ ist zweifelsohne groß: Die Kombination aus „echtem“ und digitalem Training könnte besonders gute Früchte tragen. Besonders weil SanTrain auch nach der Ausbildung zum „Bravo“ einen Trainingseffekt erfüllt. Die Ersthelfer des Militärs könnten in diesem Spiel ihre Routine bei Unfällen jeglicher Art trainieren, ganz ohne lange Vorund Nachbereitung. Zusätzlich wäre San- Train in veränderter Form auch für andere Personenkreise interessant. Es bestehe durchaus die Möglichkeit ein solches Spiel für einen zivilen Ersthelfer zu entwickeln, das die Situationen, Vorgänge und Abläufe des Alltags berücksichtigt und die Möglichkeit gibt, für Notfälle im normalen Tagesablauf vorbereitet zu sein. Die großen Schwierigkeiten seien dabei die Unterstützung des Sanitätsdienstes und die Frage des Budgets für eine entsprechende Spielrealisierung, wie Professor Lehmann erläuterte. Der Vorteil dieses und aller weiteren „serious games“ in Sachen Erstversorgung sollte jedoch auf der Hand liegen: Erste Hilfe rettet Leben!



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