Schülerartikel

Alina Kordick, | Wilhelmsgymnasium | 8b | München | 04.02.2015

Ein Ballon im All

Das Projekt „Archimedes“ widmet sich der Erforschung des Mars

„In Schweden gibt es nur ein paar Rentiere und die trifft man schon nicht.“ Helmut Rapp, Professor für Leichtbau, räumt die Bedenken eines Schülers aus. In Schweden soll nämlich Ende des Jahres Miriam- 2 getestetwerden, ein fliegender Roboter in Ballonform, der auf dem Mars Daten sammeln soll. An die Wand hat Rapp eine Power-Point-Präsentation zur Verdeutlichung der Marsatmosphäre projiziert. Um den Mars kreisen bereits mehrere Satelliten und auf seiner Oberfläche fahren Roboter, mit deren Hilfe die Eigenschaften der oberen Marsatmosphäre jedoch nur bedingt bestimmt werden können. Viele Mars-Projekte sind bislang gescheitert. „Archimedes“, bei dem die Fakultät für Luft- und Raumfahrttechnik mit der Mars Society Deutschland zusammen arbeitet, geht nun andere Wege. Eine Ballonsonde soll schwebend Ergebnisse liefern. Beim langsamen Absinken zur Oberfläche des Mars misst der Ballon Daten wie Temperatur und Magnetfeld. Die Umgebung wird dabei durch Fotos dokumentiert. Eine Funkstation, die um den Mars kreist, empfängt die Daten und leitet sie zur Erde weiter. Noch ist alles in Vorbereitung, aber im November 2015 ist es soweit.Dann soll Miriam- 2 zu einem weiteren Probetraining auf der Erde starten. Eine Rakete bringt Miriam- 2 auf 250 Kilometer Höhe und setzt sie im Weltraum aus.Der Ballon ist kompliziert auf Schuhschachtelgröße gefaltet und in einem sechseckigen Container verstaut, dessen Aufbau einer Blüte gleicht. Beim Aufgehen der einzelnen Blätter wird der Ballon im luftleeren Raum mit Helium aufgeblasen und tritt nach der Trennung von der Rakete in die Atmosphäre ein. Dabei werden die Datenübertragung und der reibungslose Eintritt in die Erdatmosphäre getestet. Zudem wird die Funktion des Aufblasvorgangs geprüft. Die Ergebnisse von Miriam-2 „sollen Aufschluss über das Verhalten des Originalballons im luftleeren Raum geben und die mögliche Umsetzung von Archimedes belegen“, sagt Rapp. Der Ballon besteht aus Upilex, eine sehr reißfeste Spezialfolie, die Temperaturen bis zu 285 Grad Celsius aushält. Zudem hat sie eine sehr geringe Dichte. Der Ballon wurde im März 2014 in einer Vakuumkammer der Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft (IABG) in Ottobrunn bei München getestet. So wurden die Verhältnisse im Weltall bestmöglich nachgebildet.Der Ballon wird von Freiwilligen produziert und über Spenden finanziert. Die Herstellung ist extrem aufwendig, sie „könnte man sonst nicht bezahlen“, erklärt Lothar Karl von der Mars Society. Der Ballon misst vier Meter im Durchmesser und besteht aus 32 dreieckigen Segmenten. Jedes einzelne wird durch einen Wasserstrahl ausgeschnitten, gereinigt und mit anderen Segmenten verschweißt. Dabei muss sehr exakt und sauber gearbeitet werden,wie in einem OP. Und auch die Mitarbeiter tragen Schutzkleidung. Der Ballon wiegt circa sechs Kilogramm, die Hälfte davon wiegt der Instrumenten-Pod im unteren Bereich. Dort sind unter anderem eine hochauflösende Kamera, ein Thermometer sowie Sensoren zur Analyse der Zusammensetzung der Atmosphäre untergebracht. In den vergangenen Jahren wurden bereits mehrere Versuche zur Erprobung von Archimedes durchgeführt. Bei Parabelflügen der Europäischen Raumfahrtbehörde (ESA) konnte die Bundeswehr-Uni bereits im Jahr 2005 Auswurfmechanismen des Ballons in der Schwerelosigkeit testen, in den Jahren darauf schwebte Miriam-1 über Kiruna (Schweden) aus neunzig Kilometern Höhe auf die Erdoberfläche. Die Versuche waren jedoch wegen Fehlern in der Elektronik und im Entfaltungssystem nur teilweise erfolgreich. Im November gibt es eine neue Chance für Miriam-2. Dass es dabei zu Kollisionen mit Rentieren kommt, gilt als unwahrscheinlich.



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