„Sicherheit ist ein gesamtgesellschaftliches Thema“
In Neubiberg gibt es einen Masterstudiengang für angehende Spione. Welche Aufnahmebedingungen es gibt, und wie die Bewerber überprüft werden, darüber informiert Oberstleutnant Holger Prüßing.
Wer wollte nicht schon immer mal Spion sein? Am Center für Intelligence and Security Studies an der Universität der Bundeswehr München in Neubiberg (CISS) kann man sich diesen Traum im Masterstudiengang Intelligence and Security Studies jetzt verwirklichen. Im Gespräch mit Schülerinnen der 11. Klasse des Städtischen Sophie-Scholl-Gymnasiums stellte Oberstleutnant Holger Prüßing, Geschäftsführer des Centers für Intelligence and Security Studies an der Universität der Bundeswehr München, den Studiengang vor.
SZ: Warum bietet die Bundeswehr diesen Studiengang an?
Holger Prüßing: Wir beschäftigen uns am CISS mit verschiedenen Forschungsbereichen wie Sicherheit und Intelligence, Krisenfrüherkennung, Wirtschaftsschutz und War-Gaming. In dem Studiengang sollen Mitarbeitenden der deutschen Nachrichtendienste akademische Grundlagen vermittelt und eine stärkere nationale und internationale Zusammenarbeit der Dienste gefördert werden.
Unsere Welt ändert sich sehr schnell. Wie gehen Sie mit spontanen globalpolitischen Veränderungen um?
Es ist nicht immer möglich, tagesaktuelle Themen zu behandeln, jedoch ist der Studiengang äußerst flexibel und passt sich neuen Themen sehr schnell an. Die Studierenden evaluieren auch regelmäßig den Studiengang und jedes Jahr findet man Dinge, die man im Studiengang verfeinern kann. So wird das Modulhandbuch immer wieder angepasst.
Gibt es den Studiengang auch in anderen Ländern?
In Deutschland ist er einzigartig, in Europa gibt es noch einen ähnlichen Studiengang am King’s College. Die USA sind Deutschland hier im akademischen Bereich deutlich voraus, jedoch hat Deutschland gute Grundlagen, um noch besser zu werden. Insgesamt erkennen auch andere Länder die Notwendigkeit und der Studiengang gewinnt immer mehr an Bedeutung.
Mit welchen Aufgaben befasst man sich im Nachrichtendienst?
Es gibt insgesamt drei Hauptbereiche: das Sammeln von Informationen, die Auswertung und Aufarbeitung dieser Informationen und die anschließende Weitergabe mit Handlungsempfehlungen.
Welche Rolle spielt dabei die KI?
Die KI kann in vielen Bereichen weiterhelfen, weshalb es wohl eine Umverteilung von Aufgaben geben wird. Beispielsweise werden zukünftig wohl weniger Menschen mit der Sammlung von Informationen beschäftigt sein. Ein wichtiger Punkt, welcher aber beachtet werden muss, ist, dass die KI nicht denken kann, weshalb die Informationen weiterhin von Menschen analysiert und bewertet werden.
Wie viele Studierende gibt es im Studiengang und was sind die Voraussetzungen?
Ungefähr 70 pro Jahr. Man benötigt einen Bachelor und muss aus dem Nachrichtendienst kommen. Alle Studierenden sind Mitglieder des öffentlichen Dienstes. Zudem muss man eine Sicherheitsprüfung bestehen. Die Studierenden kommen aus unterschiedlichen Bereichen wie Jura, Elektrotechnik und Informatik.
Wie funktioniert die Sicherheitsprüfung?
Grundsätzlich haben die Mitglieder der Nachrichtendienste eine Wohlverhaltenspflicht. Es wird aber zusätzlich in der höchsten Sicherheitsstufe das persönliche Umfeld und das Verhalten in den sozialen Medien geprüft. So verliert seinen Sicherheitsstatus, wer Hetze in den sozialen Medien verbreitet, beim Schwarzfahren erwischt wird oder starkes Suchtverhalten aufweist. Die Studierenden haben außerdem eine Schweigepflicht.
Können Zivilpersonen mitforschen?
Ja, aber man benötigt ein Empfehlungsschreiben und der Tätigkeitsbereich muss zu den Themen passen.
Studieren mehr Männer den Master?
Das Verhältnis ist relativ ausgewogen. Tätigkeiten in der Bundeswehr sind eher männerlastig, während Aufgaben im Nachrichtendienst oft von Frauen ausgeübt werden. Insgesamt lässt sich dennoch sagen, dass ein recht ausgeglichenes Verhältnis zwischen Männern und Frauen im Studiengang herrscht.
Wie geht es nach dem Studium weiter?
Die Absolventen gehen wieder zu ihren Diensten, dem BND, den Bundes- oder Landesverfassungsschutzämtern oder dem militärischen Abschirmdienst. Dort sind sie dann oft in Spitzenverwendungen.