Claus Schunk

Die Welt in den Unterricht holen

self-Logo 17.04.2025 Fabian Köppert, Daniel Majumdar, Katharina Piel, Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium

Wo Schulklassen nicht ohne Weiteres Zugang haben, können Virtual-Reality-Brillen helfen.

Anstatt Biologie im Buch zu lernen, wären viele Schülerinnen und Schüler viel lieber an einem realistischen Ort, um den Stoff begreifen zu können. Die digitale Transformation hat die Bildungslandschaft längst erreicht und eröffnet nun neue Möglichkeiten für den Unterricht, sagt Bernhard Ertl, Professor für Erziehungswissenschaft an der Universität der Bundeswehr München. Der Forscher beschäftigt sich mit Virtual-Reality-Brillen als Lehrmittel.

Die Technologie kann innovative Lösung für viele Probleme des herkömmlichen Unterrichts sein, indem sie das Lernen authentischer und spannender gestaltet und zugleich Zugang zu schwer erreich-baren Lernorten bietet. Im klassischen Frontalunterricht haben Schüler oft Schwierigkeiten, sich mit den vermittelten Themen zu identifizieren, was das Lerninteresse senkt. Exkursionen, die das Inter-esse fördern würden, sind aus praktischen Gründen nicht immer möglich.

Hier könnten Virtual-Reality-Erlebnisse helfen. Mit den VR-Brillen könnten Schülerinnen und Schüler in virtuelle Welten eintauchen und Orte besuchen, die sonst nicht erreichbar seien. Der Professor erklärt, dass man das Phänomen, in eine virtuelle Welt einzutauchen, Immersion nennt. Zur Auswahl an VR-Umgebungen stehen aktuell eine Kläranlage, ein Displaced-Person-Museum oder eine paläontologische Ausstellung, die sich unter anderem mit Dinosauriern beschäftigt.

Bis zu 20 Personen können inzwischen gleichzeitig in eine virtuelle Welt eintauchen. Ertl stellt eine Studie vor, die die Authentizität der Umgebungen untersucht hat. Diese sei sehr positiv ausgefallen und habe das Interesse der Teilnehmenden geweckt. Die Lernumgebung sei als sehr echt wahrgenommen worden. Um die Nutzererfahrung mit den VR-Brillen noch zu verbessern, wurden Orientierungssysteme in die Umgebungen integriert.

Sobald man die Brille aufsetzt, wird die reale Umgebung ausgeblendet, der Nutzer befindet sich in einer virtuellen, dreidimensionalen Umgebung. Man kann sich frei umsehen, als ob man tatsächlich vor Ort wäre, und Details aus verschiedenen Perspektiven betrachten. Die Steuerung funktioniert über einen Controller und Kopfbewegungen. Jedoch kann es zu Schwindelgefühl und Übelkeit kommen, wenn man nicht daran gewöhnt ist.

Um eine derartige 3D-Welt zu erstellen, wird zu Beginn ein Konzept erarbeitet und anschließend im sogenannten Capturing aufgenommen. Sobald die erste technische Umsetzung fertig ist, beginnt die Testphase, in der Fehler gesucht und dann korrigiert werden. Wenn alles einwandfrei funktioniert, wird das Projekt schließlich veröffentlicht. Ein Beispiel für eine gelungene Umsetzung ist eine Dinosaurier-Ausstellung, die auch in einer englischen und einer Kinder-Version verfügbar ist und von einem kleinen Team in wenigen Tagen entwickelt wurde.

So kann man sich zum Beispiel die Größenverhältnisse besser vorstellen als im herkömmlichen Unterricht. An der Entwicklung arbeitet auch pädagogisches Fachpersonal mit, das zum Beispiel interaktive Elemente wie Quizze einbaut, die den Lerneffekt verstärken. Testberichte zeigen, dass Virtual Reality als Unterrichtsinstrument geeignet ist. Besonders die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, welche Aspekte eines Themas man genauer betrachten möchte, fördert die Motivation und führt zu einer intensiveren Auseinandersetzung mit den Inhalten.

Die Entwicklung von VR-Technologien in der Bildung schreitet stetig voran. An Hochschulen und in spezialisierten Forschungszentren wird kontinuierlich an neuen Projekten gearbeitet, die das Potenzial weiter ausloten. An der Universität der Bundeswehr München führt das Team von Bernhard Ertl deshalb regelmäßig digitale Exkursionen mit Schulklassen durch.



Promedia Maassen
30.04.2025 15:49 Uhr
Hallo ihr Drei! Ganz lieben Dank für euren tollen und super spannenden Blogbeitrag. VR ist ein ganz spannendes Phänomen und wir finden es super, dass dies auch für bildungsnahe Kontexte verwendet werden kann und so das motivierende Lernen mehr fördert. Euer Text erklärt sehr anschaulich, wie Virtual-Reality-Brillen den Schulalltag spannender machen können und man kann sich dank eurer ausführlichen Beschreibung gut vorstellen, wie die Umsetzung erfolgt. Es wäre toll, wenn da bald noch viele neue Orte mit erfahrbar gemacht werden und es dann an vielen Schulen eingesetzt werden kann, denn man merkt, dass da richtiges Interesse und echte Begeisterung fürs Lernen geweckt wird. Wir sind gespannt, wie sich das weiter entwickelt. Liebe Grüße vom Projektteam von Promedia Maassen

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