Handysperrre - Schutz oder reine Qual?
Schon morgens fängt es an, dein Wecker klingelt, du schaust auf dein Handy, auf dem nur ein schwarzer Bildschirm ist, auf dem steht: „Schlafenszeit - du kannst dein Handy um 7.00 wieder benutzen“. Für die Kinder? Ein Grauen! Wer hat mir geschrieben? Was, wenn was passiert ist? Immer ist man die letzte Person, die auf etwas antwortet. Für die Eltern? Die erste Entspannung, da sie sicher sein können, dass das Kind nicht die ganze Nacht am Handy war und die Nacht verschwendet hat.
In Deutschland haben rund 65% der Menschen im Alter von 6 bis 18 Jahren ein eigenes Smartphone (Quelle: bitcom.org). Eine Möglichkeit für die Eltern, das Handy zu kontrollieren, ist die App „Jugendschutzeinstellungen“. Hierbei stehen sich ein positives Wort (Schutz) und ein negatives (kontrollieren) gegenüber. Doch welches überwiegt?
Aus meinen eigenen und aus den Erfahrungen anderer weiß ich, dass man als kontrollierte Jugendliche versucht, jede Lücke im System zu finden, um mehr Zeit am Handy bekommen zu können. Die Wirkung der Sperre wirkt sich daher vorerst eher negativ als positiv aus. Man wartet sehnsüchtig darauf, dass die „Schlafenszeit“ aufgehoben wird, und rennt, sobald sie vorbei ist, zum Handy, um alle Nachrichten und Neuigkeiten anzusehen. Man ist von der einen auf die andere Sekunde im Netz gefangen und wird ruckartig in die Internetwelt gezogen. Ohne die Sperre wäre dieses Ruckartige vielleicht gar nicht so stark, da man dann viel entspannter wäre: wohlwissend, dass man immer und zu jeder Zeit auf seine Nachrichten zurückkommen kann. Doch geht es noch weiter, es gibt nicht nur eine „Schlafenszeit“, sondern auch noch eine „Bildschirmzeit“ und obendrauf nochmals Extrazeiten für verschiedene Apps (kommt auf die Eltern an!). Jede Sekunde, die ich jetzt an meinem Handy bin, wird von einem Countdown abgezogen, der direkt zur nächsten Sperre führt.
Natürlich hat es auch was Gutes, weil man dadurch nicht zuviel Zeit am Handy verbringt und nicht so schnell süchtig nach den ganzen Social-Media-Apps wie TikTok oder Instagram wird. Doch es bleibt immer dieses Gefühl von wenig Vertrauen und der bloßen Kontrollsucht der Eltern zurück. Kontrolle dessen, was ich als kleines Kind, nicht als Jugendliche, die ich bin, wie, wann, wo mache. Es ist eine Einschränkung meiner Freiheit. Aber dann, wenn es mal Tage gibt, wo keine Sperre da ist, wird es vollkommen ausgenutzt. Es wird so viel und so lange wie möglich im Internet gehangen, da das ja eine einmalige Chance ist. Es wird nicht mehr geschlafen, weil am nächstens Tag wieder alles gesperrt sein wird. Das zeigt allerdings auch, wie sehr man am seinem Handy hängt, ja wie „abhängig“ man von ihm ist, was sich leicht zu Süchten entwickelt. Deshalb glaube ich nicht, dass unsere Eltern was Schlimmes wollen, sondern sie wollen uns nur schützen. Trotzdem bleibt dieses Gefühl von keinem Vertrauen. Die Sperre wirkt sich nicht ganz so aus, wie die Eltern es wollen, aber im Endeffekt ist sie was Gutes.
Kinder, vor allem jugendliche Kinder, nehmen sie nur so schlimm wahr, weil sie in ihre Privatsphäre und Freiheit eingreift.