Charlotte Kurowiak

Cavalluna - Das Tor zur Anderswelt

self-Logo 13.02.2026 Charlotte Kurowiak, Ricarda-Huch-Schule Hannover

Es ist der 31. Januar 2026, 18:30 Uhr. Die ZAG Arena, heute als Reitplatz umgebaut, füllt sich nach und
nach mit pferdebegeisterten Besuchern, denn bald beginnt die spektakuläre Reitshow „Cavalluna – Das Tor
zur Anderswelt“. Sie ist eine der bekanntesten europäischen Pferdeshows, die Reitkunst, Akrobatik und
Theater zu einem beeindruckenden Gesamtkunstwerk verbindet und jährlich durch über 30 Städte tourt.
Ich lasse meinen Blick über die Tribüne schweifen. Die Zuschauer wirken aufgeregt und voller Vorfreude.
Einige Kinder halten kleine Plüsch-Pferde in ihren Händen, während viele Erwachsene Getränke und etwas
zu essen dabeihaben.
Als der Gong ertönt, wird es in der Arena still und langsam dunkler. Man sieht, wie eine junge Frau in
einem blauen Kleid den Sandplatz betritt. Eine Frauenstimme erzählt ihre Geschichte: „Meerin ist eine junge
Zauberin, die auf die Welt gekommen ist, um Menschen zu helfen. Aufgrund ihrer magischen Kräfte wird sie
jedoch von ihrem Volk verstoßen und muss fliehen. Auf ihrer Reise gerät sie in die Fänge des heimtückischen
Hexenmeisters Röndrup und seiner hinterhältigen Nichte, die einen düsteren Plan verfolgen und Meerin für
ihre Zwecke missbrauchen wollen. Taucht mit uns ein, in Meerins Geschichte und geht mit ihr durch das Tor
zur Anderswelt.“
Die Szenerie wechselt und sechs als Wikinger verkleidete Tänzer stürmen jubelnd auf den Platz. Sie tanzen
und feiern ausgelassen zu festlicher Volksmusik. Es folgen acht Pferde samt Reitern, die in die Halle reiten.
Die ausgelassene Stimmung bringt das Publikum dazu, im Takt der Musik zu klatschen.
Nach und nach wird Meerins Geschichte weitererzählt. Passend zu jeder Szene erlebt das Publikum
atemberaubende Reitkunst, wie die spektakuläre ungarische Post, waghalsiges Trickreiten und harmonische
Freiheitsdressur.
Doch bei all den beeindruckenden und teilweise riskanten Dressurelementen, denke ich während der
Show auch immer wieder an das Wohl der Tiere. Schon vor Beginn der Show werden die Zuschauer darauf
hingewiesen, dass der Tierschutz und das Tierwohl der Pferde bei Cavalluna an höchster Stelle stehen. Daher
habe ich mich mit diesem Thema einmal genauer beschäftigt.
Googelt man „Cavalluna“ und „Tierschutz“, findet man viele Berichte über Tiermissbrauch. Darunter u. a.
einen Artikel der PETA. PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) ist die weltweit größte Tierrechtsorganisation, die sich für die Beendigung von Tiernutzung, Tierquälerei und Ausbeutung einsetzt.
In dem genannten Artikel wird über die für Pferde schmerzhaften Dressurmethoden, mit denen diese zum
Auftritt gezwungen werden, geschrieben. Laut PETA werden bei Cavalluna als Trainingsmethoden u. a.
Peitschen, Rollkur und Kandaren angewendet. Bei der Rollkur wird der Kopf des Pferdes stark auf die Brust
gezogen, sodass Haltung, Atmung und Orientierung stark beeinträchtigt werden. Daher gilt diese seit 2020
laut Leitlinien für den Pferdesport als tierschutzwidrig. Bei Kandaren handelt es sich um Gebissstücke am
Zaumzeug, die zu Verletzungen im Maul der Tiere führen können. Auch mit Sporen oder Peitschen werden
die Pferde schlecht behandelt, damit sie bei den Shows gefügig sind und alle Vorführungen scheinbar wie
von selbst mitmachen.
Ein Video der PETA auf Instagram zeigt, wie die Pferde bei einer Show von Cavalluna angeblich in der
Rollkur geritten werden und deutliche Stresssignale zeigen. Viele Kommentare unter dem besagten Video
verneinen dies jedoch. @Luisa_grrr schreibt: „Beim 1. Reiter mit Feuer in der Hand ist keine Rollkur zu sehen,
der Zügel ist aufgenommen aber nicht in Gänze gespannt. Beim Pferd, das auf den Hinterbeinen geht, wackelt
der Zügel auch, gespitzte Ohren, aufmerksames Pferd. [...] Liebe PETA das ist peinlich!!“. @mvrvam._ schreibt: „Was ist das Problem? Die Feuerkunststücke sind nicht riskant und die Lichter sind so positioniert, dass sie die Pferde nicht blenden.“. @ofsongsandfairytales: „Könnt ihr bitte den Unterschied zwischen einer Rollkur und einem spanischen Pferd mit hohem Halsansatz in der Aufrichtung lernen? [...].“
Andere Kommentare hingegen, stimmen den Vorwürfen der PETA zu. @strongasmom schreibt: „Nein,
einfach NEIN!!! Wer sein Pferd liebt, tut DAS nicht!“. @nygro23 schreibt: „Die Augen zum Schluss sagen alles,
was man wissen muss...“. @adorateur_du_soleil: „Niemals unterstützen egal in welcher Art ob Zoos, Zirkus
oder Veranstaltungen.“
Man findet im Internet jedoch nicht nur Artikel über Tiermissbrauch, sondern auch eine ganze Reihe an
Artikeln des Cavalluna-Teams selbst. Darin geht es z. B. um den Cavalluna-Stall, Entspannungsprogramme
für die Pferde, korrektes Reiten ohne Rollkur und die Gewöhnung der Pferde an Licht und Musik.
In einem Beitrag auf Cavallunas offizieller Website, geht es um eine Stellungnahme zu den PETA-
Vorwürfen. Das Cavalluna-Team schreibt, dass sie die Vorwürfe der PETA so nicht stehen lassen können und
wollen. Sie erklären, dass Vertreter des Tierschutzes und unabhängige Amtsveterinäre die Pferde, Esel und
Ponys sowie die Stallzelte, Transporter und reiterliche Ausrüstung in jeder Showstadt kontrollieren. Und
auch Cavalluna selbst tut alles dafür, dass es den Tieren gut geht. Unter der Woche sind die Tiere in dem
sogenannten Cavalluna-Stall untergebracht, in dem sie ausreichend Weide- und Paddockgang sowie viel
Freizeit und Entspannung bekommen. Dasselbe gilt für die Unterbringung in den mobilen Stallzelten, die an
den Wochenenden in den Tourstädten aufgestellt werden.
Außerdem werden für die Shows nur Pferde ausgewählt, die sich vom Wesen und Charakter auch dafür
eignen. Daher handelt es sich bei dem Großteil der Showpferde bei Cavalluna um Hengste, die von Natur
aus den Drang haben, sich präsentieren zu wollen. Man kann kein Pferd dazu bringen, eine reiterliche
Disziplin zu präsentieren, wenn dieses absolut nicht zu einer Kooperation bereit ist.
Cavalluna erklärt weiter, dass die Pferde über Jahre hinweg trainiert und auf die Showsituation vorbereitet
werden. In den Shows wird ein spezielles Beschallungssystem eingesetzt, das dem Publikum ein volles
Klangerlebnis ermöglicht, für die Pferde in den Arenen aber nur in Zimmerlautstärke zu hören ist. Der
tosende Applaus des Publikums wird den Tieren im Training als positives Feedback für gezeigte Lektionen
beigebracht und somit auch als Lob in den Shows wahrgenommen.
Darüber hinaus weist Cavalluna darauf, dass die Pferde in der Freiheitsdressur immer die Möglichkeit
haben, sich von ihren Trainern zu entfernen, da diese ohne Stricke, Halfter und Trensen mit den Tieren
arbeiten. Dasselbe gilt für die gerittenen Pferde.
Das Cavalluna-Team betont in ihrem Artikel immer wieder, dass Shows dieser Art auf Vertrauen und guter
Zusammenarbeit zwischen Pferd und Reiter beruhen. Die Pferde gehören in jeder Equipe zur Familie und
werden daher mit viel Herzblut ausgebildet, trainiert und behandelt.
Und auch während dieser Show wird das Publikum Zeuge davon, wie harmonisch die Pferde und Reiter
zusammenarbeiten. Das Cavalluna-Team hat es also auch an diesem Abend wieder einmal geschafft, das
Publikum durch beeindruckende Reitkünste zu begeistern und nach jedem Auftritt ertönt durch die Halle
tosender Applaus.
„Cavalluna – Tor zur Anderswelt“ - Eine magische Show für alle Pferdebegeisterten!


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