Katzenhaltung - mehr als nur ein kuscheliger Zeitvertreib
Leises, klagendes Miauen hinter Tierkäfigen. Große, wachsame Katzenaugen schauen mich teils neugierig, teils misstrauisch durch die Gitter an. Manche Tiere beobachten jede einzelne Bewegung, andere wiederum haben sich in Decken eingerollt. Ich blicke in die Zwinger und fühle vor allem Bedrücktheit und Mitleid mit den abgegebenen Tieren. Jedes einzelne hat seine eigene individuelle Geschichte wie es im Tierheim gelandet ist. Ich selber habe erst vor kurzem meine eigene Katze verloren und überlege gemeinsam mit meiner Familie eine Katze aus dem Tierheim aufzunehmen. Heutzutage sind die Tierheime nämlich randvoll, der häufige Grund dafür: Käufer achten oftmals beim Kauf einer Katze nur auf das Aussehen und nicht auf die damit verbundene Arbeit und Verantwortung, die auch dahinterstehen.
Klein, süß, flauschig. Das ist nämlich der Innenbegriff von Katzen, den man vor allem auf Social Media vermittelt bekommt. Wenn man sich im Internet mit der Anschaffung junger Katzen beschäftigt, bekommt man direkt süße Videos rund um lustige Momentaufnahmen von Katzen angezeigt, die nur die positiven Seiten zeigen. Die Herausforderung aber, als erstes einen seriösen Züchter zu finden, sodass man sicher gehen kann, dass die Katzen gesund und aus guter Haltung abstammen, unterschätzen viele bei der Anschaffung.
Wer also überlegt, sich eine Katze zuzulegen, sollte bei der Suche nach einem geeigneten Züchter einiges beachten. Hierfür habe ich Katalin-Eva Tordai, Katzenzüchterin seit fünf Jahren und tätig im Züchterverein Felidae e.V., bei ihr Zuhause besucht. An ihrer Haustür wurde ich bereits miauend und schnurrend von zwei Vierbeinern empfangen. Frau Tordai und ihre Familie besitzen nämlich zwei Katzen und einen Kater. Aus dem Wohnzimmer habe ich schon leises Schnurren und Rascheln von Katzenspielzeug vernommen, das direkt eine angenehme Atmosphäre schuf.
An der ganzen Ausstattung für ihre Katzen merkte ich sofort, dass sie alles für die Gesundheit und das Wohlbefinden ihrer Katzen tut. Sie und Ihr Mann sind erfahren auf dem Gebiet der Katzenzucht und haben mehrere hilfreiche Tipps, die bei der Suche nach seriösen Züchtern helfen können. „Man sollte zuerst auf Internetseiten von eingetragenen Züchtervereinen nachschauen und unbedingt immer beachten, welche tierärztlichen Untersuchungen bei den Katzen bereits durchgeführt wurden“. Sie betonte besonders, dass man sich wichtige Unterlagen und Papiere der Tiere auch zeigen lassen sollte. „Auch das Zuhause des Züchters spielt eine große Rolle“, sagt sie, „haben die Tiere genügend Platz, lassen sich die Tiere anfassen? All‘ das sind Fragen, die man sich selber vor Ort des Züchters stellen sollte“, meint sie.
Während meiner Recherche habe ich schnell gemerkt, dass das Thema Qualzuchten ebenfalls eine große Rolle bei der Anschaffung von Katzen spielt. Man sollte genau aufpassen, welche Rasse man kaufen möchte und sich im Voraus genau mit diesem Thema beschäftigen. Viele Menschen finden nicht gerade selten bei Katzen flache Gesichter, Knickohren oder übergroße Augen niedlich, wie bei den Rassen Scottish Fold und Perserkatzen. Häufig sind dieses allerdings Merkmale für Qualzuchten, die für die Katzen durch z.B. verkürzte Atemwege oder auch Gelenkathrose lebenslangen Schmerz bedeuten. Dass Schmerz bei Katzen gezielt und mit Absicht gezüchtet wird, um ein scheinbar „süßes“ und „schönes“ Aussehen zu erzeugen, finde ich erschreckend!
Unterstützt werden die betroffenen Rassen durch sogenannte Vermehrer, denen es beim Verkauf und Zucht der Katzen hauptsächlich um Profit statt um das gesunde Tierwohl geht. „Es gibt einen ganz klaren Unterschied zwischen Züchtern und Vermehrern“, gibt Frau Tordai zu verstehen, „Züchter achten auf die Gesundheit der Katzen. Aus diesem Grund haben sie häufig auch nur wenige Katzen, da mehr als maximal zwei Würfe im Jahr schädlich für das Muttertier sind. Außerdem besitzen sie nachweisbare Stammbäume und Papiere, die Untersuchungen gegen infektiöse Krankheiten oder Impfungen beim Tierarzt belegen. Bei Vermehrern hingegen sind die Tiere meistens scheu und haben somit keinen Menschenzugang oder sie sind irgendwo eingesperrt“, betont Frau Tordai. „Ein weiteres Merkmal von Vermehrern sind niedrige Preise, für die sie die Katzen verkaufen“, erklärt sie.
Insbesondere auf Ebay findet man zahlreiche Angebote für scheinbar gesunde und niedliche Katzen, doch der Schein trügt häufig. Hinter diesen Angeboten versteckt sich meistens illegaler Katzenhandel ohne richtige Papiere oder fehlende Gesundheitszertifikate und Stammbäume. Die Vermehrer ködern potenzielle Käufer häufig mit süßen Bildern der Katzen und falschen Aussagen über deren Alter und Gesundheitszustand.
Aber nicht nur die sorgfältige Wahl der Katzenzüchter sollte bei der Anschaffung berücksichtigt werden, sondern auch, ob man selbst überhaupt als Katzenbesitzer:in taugt. Man sollte sich deshalb vor dem Kauf einer Katze selbst ein paar wichtige Fragen stellen, damit die Tiere später nicht im Tierheim landen. Katzen sind sehr zeitintensiv, sie brauchen viel Aufmerksamkeit und Pflege und können bis zu 20 Jahre alt werden, dies wird meistens unterschätzt. Deshalb empfiehlt es sich, sich vorher zu überlegen, ob man überhaupt ausreichend Zeit hat und seinen Tagesablauf und auch Urlaube an die Katzen anpassen kann. Was viele Menschen vergessen, sind die Kosten, die bei der Tierhaltung für Futter und Tierarztbehandlungen anfallen. Häufig landen leider gerade ältere Katzen dann aus diesen Gründen im Tierheim. Darüber hinaus sollte man sich ausgiebig mit der Frage beschäftigen, ob man sich eine reinrassige oder Mischlingskatze anschaffen möchte. Es gibt nämlich viele verschiedene Katzenrassen, die sich nicht nur optisch unterscheiden, sondern auch in ihren Wesensmerkmalen und Charaktereigenschaften. Für Wohnungshaltung eigenen sich z.B. British Kurzhaar Katzen, die einen eher ruhigeren Charakter aufweisen, im Gegensatz zu den Bengalkatzen, die sehr aktiv sind und sich viel bewegen müssen.
Aber auch wenn man nicht mit dem Gedanken spielt, sich eine Katze als Haustier anzuschaffen, kann man täglich unbewusst durch Likes und Klicks Tierleid fördern. Als gängige Beispiele sind hier zu nennen, dass Katzen in Kostüme gesteckt werden. Dadurch kann ihre Kommunikation beeinflusst werden, da sie sich nicht mehr gut bewegen können. Darüber hinaus werden Katzen oft in Situationen gebracht, in denen sie sich unwohl fühlen und somit Stress oder Angst in ihnen ausgelöst wird. Damit die Verbreitung von solchen Videos nicht gefördert wird, sollte man in den Filmen genau auf die Körpersprache der Tiere achten. An geweiteten Pupillen, angelegten Ohren oder einer geduckten Körperhaltung lässt sich beispielsweise erkennen, dass die Katze in Wirklichkeit unter großem Stress leidet.
Am Ende zeigt sich, dass nicht nur die Videos von Katzen auf Social Media das Problem sind, sondern auch das Wegsehen und Ignorieren dahinter. Illegale Züchter, Vermehrer und Qualzuchten leben von Nachfrage und Klicks, die Folgen: die Tiere landen im Tierheim. Wer sich also als Anschaffer von Katzen mit der Herkunft und der Zucht genauestens auseinandersetzt und sich nicht von Social Media, sowie scheinbar lustigen Videos leiten lässt, kann mit dazu beitragen Tierleid zu stoppen!