Slow Fashion vs. fast Fashion: Zwei Wege, ein Kleiderschrank
Der Stoff kratzt am Hals. Nur "Fünf Euro neunundneunzig", steht drauf, daneben ,,Made in Bangladesh‘‘. Die Schlange vor der Umkleide reicht bis zur Kasse, es riecht nach Parfüm und neuen Stoffen. Eine Frau hält drei T-Shirts in der Hand, alle in leicht verschiedenen Beigetönen. ,,Das nehme ich auch noch mit‘,‘ sagt sie fast entschuldigend zu ihren Freundinnen. Im Schaufenster hängt schon die nächste Kollektion.
Ein paar Straßen weiter ist es stiller. Holzregale, Kleiderstangen mit Abstand, jedes Teil ist nur ein- oder zweimal vorhanden. Die Designerin faltet Hemden zusammen und näht lose Fäden an. ,,Das hier hält Jahre‘‘, sagt sie und nennt einen Preis, der mehr kostet als ein großer Einkauf im Modekettenladen. "Slow" Fashion nennt sie das. Weniger Tempo, weniger Teile, dafür Zeit.
Zwischen diesen beiden Welten bewegt sich unser Kleiderschrank. Auf einer Seite Kleidung, die kaum was kostet und so schnell wieder verschwindet wie sie gekommen ist. Auf der anderen Seite Mode, die bleiben will, aber sich nicht alle leisten können. "Slow Fashion" und "Fast Fashion" stehen sich gegenüber und es stellt sich die Frage: ,,Wie viel ist uns ein Kleidungsstück wert?‘‘
Während die Modeindustrie wächst, kommt doch auch die Sehnsucht der Leute zum Vorschein nach Fairness, Transparenz und Nachhaltigkeit. Doch ist Slow Fashion mehr als nur ein gutes Gefühl? Kann sie wirklich eine Alternative sein für eine Branche, die von Wegwerfmode lebt?
Fast Fashion und Slow Fashion verfolgen beide das gleiche Ziel, Menschen mit Kleidung zu versorgen die ihnen gefällt, doch trennen sich die Wege durch die verschiedenen Ansichten der Herstellung. Slow Fashion setzt sich für die Nachhaltigkeit der Herstellung ein. Dies setzt sich jetzt laut der Aussage des "Slow Fashion Report 2024" durch: ,,Während Influencer nachhaltigen Konsum in den sozialen Medien fördern, wächst der Second-Hand-Markt jährlich um 15 Prozent.‘‘ Die nachhaltige Mode bringt aber auch Herausforderungen mit sich mit, wie die
hohen Preise, welche die Konsumenten von der Mode entfernt.
Doch was bedeutet das alles eigentlich für uns als Konsumentinnen und Konsumenten?
Fast Fashion begegnet uns überall. In der Innenstadt sehen wir große Modeketten aneinander angereiht, im Internet werden täglich neue Trends präsentiert. Die Auswahl groß und die Preise niedrig. Die Kollektion werden im Laden wöchentlich dem Trend nach erneuert. Dadurch ist Kleidung nicht mehr etwas, dass man lange trägt, sondern etwas, dass schnell ausgetauscht wird. Ein T-Shirt für 5,99 € wirkt wie ein guter Deal. Doch nach ein paar Wäschen wird der Stoff dünner oder es verliert ganz die Form.
Hinter diesen niedrigen Preisen ist ein System, dass auf Schnelligkeit ausgelegt ist. Diese Schnelligkeit kann nur in Produktionsländern passieren, wo die Arbeitskräfte weniger verdienen. Bei dieser Herstellung wird der Zeitdruck groß, damit immer neue Trends in die Geschäfte kommen. Ebenso aber bleibt die Umwelt nicht unbeschadet. Für Baumwolle werden große Mengen von Wasser verbraucht, die Chemikalien verschmutzen Gewässer und durch den weltweiten Transport verursacht die Produktion rund um 10 % der globalen CO2-Emissionen, so eine Studie bei nachhaltigkeit-mit-kopf.de. Viele Kleidungsstücke landen nach kurzer Zeit im Müll, obwohl sie noch tragbar wären.
Slow Fashion setzt genau hier an. Ihnen geht’s nicht darum, ständig neue Trends herauszubringen, sondern um zeitlose Kleidung, die eine bessere Qualität hat. Die Produktion soll fairer und umweltfreundlicher sein. Verwendet werden zum Beispiel nachhaltige Materialien oder recycelte Stoffe. Die Kleidungsstücke sind oft teurer, dafür aber langlebiger. Slow Fashion bedeutet auch, bewusster zu konsumieren, das heißt weniger zu kaufen, dafür aber etwas auszuwählen, was lange anhält.
Ein weiterer Teil dieser Bewegung ist der Second-Hand-Markt. Immer mehr Menschen kaufen gebrauchte Kleidung oder verkaufen ihre eigenen Teile weiter. So bekommen Kleidungsstücke ein „zweites Leben“ und Ressourcen werden gespart. Ein neue Erkenntnis ist es kaputte Sachen zu reparieren und dadurch wird die Kleidung mehr wertgeschätzt.
Trotzdem bleibt Slow Fashion für viele eine Herausforderung. Nicht jeder kann sich teure, nachhaltige Mode leisten. Und Fast Fashion wirkt oft attraktiver, weil sie Trends schnell und günstig verkaufen. Hier stehen wir Menschen in einem Dilemma, zwischen dem Wunsch nach neuen Styles und dem Wissen der negativen Folgen die Fast Fashion mit sich bringt.
Slow Fashion und Fast Fashion stehen für zwei unterschiedliche Denkweisen. Die eine ist für Schnelligkeit und niedrige Preise, die andere für Nachhaltigkeit und Qualität. Unser Kleiderschrank zeigt, welchen Weg wir häufiger wählen. Am Ende geht es nicht darum, nur noch perfekt nachhaltig zu leben. Aber schon kleine Veränderungen können einen Unterschied machen: Zu versuchen bewusster einzukaufen, Kleidung länger zu tragen oder Second-Hand auszuprobieren. Denn was wir kaufen, hat oft mehr Auswirkungen, als wir im ersten Moment denken.