Zwischen Schule und Regalen
Philip, 17 Jahre alt, beginnt seine Schicht im Rewe-Markt in Hannover um 16 Uhr. Zu dieser Zeit ist der Supermarkt gut besucht, weil viele gerade von der Arbeit oder der Schule kommen. Philip trägt sein Arbeitshemd und überprüft zunächst seine Kasse, bevor er seinen Platz einnimmt. Für Philip beginnt jetzt die Arbeit, drei Stunden voller Verantwortung und Konzentration.
Einkaufswagen quietschen über den Boden, an seiner Kasse bildet sich bereits eine Schlange. Philip scannt die Waren zügig und konzentriert. „Nachmittags ist es meistens am stressigsten“, sagt er. „Da muss man aufmerksam bleiben, sonst passieren Fehler.“ Öfter kommt es vor, dass sich Kunden über Preise beschweren, welche auf dem Preisschild noch günstiger waren. Dabei bleibt er ruhig, auch wenn einzelne Kunden ungeduldig reagieren oder es Missverständnisse gibt. „Man lernt schnell, sachlich zu bleiben und nicht alles persönlich zu nehmen.“
Nach einer Weile nimmt Philip sich eine Pause, weil der Andrang nachgelassen hat. Im Pausenraum lehnt er sich zurück und erzählt mir, dass er durch den Job schon viel gelernt hat, wie man mit Produkten umgeht, wie man auf unfreundliche Kunden reagiert oder was körperlich anstrengende Arbeit wirklich ist. „Letztens musste ich aus dem Lager Getränkekisten holen und sie anschließend einräumen. Das ist schon mehr Arbeit, als viele denken“, sagt er. Nach 15 Minuten Pause geht er wieder zurück in den Markt.
Zwischen den Aufgaben denkt er auch an die Schule. Hausaufgaben, Referate und Klassenarbeiten müssen mit den Arbeitszeiten abgestimmt werden. „Es ist nicht immer leicht, alles unter einen Hut zu bekommen“, sagt er. „Aber man wird organisierter und plant genauer.“ Freizeit ist knapper geworden, doch er hat gelernt, Prioritäten zu setzen.
Gegen 19 Uhr endet seine Schicht. Philip zählt die Kasse sorgfältig, dokumentiert die Einnahmen und räumt seinen Arbeitsplatz auf. Erst wenn alles stimmt, meldet er sich ab. Die Anspannung der letzten Stunden fällt langsam von ihm ab. „Man merkt am Ende schon, dass es ein langer Tag war“, sagt er. Trotzdem wirkt er zufrieden.
Für Philip ist der Nebenjob mehr als nur eine Möglichkeit, Geld zu verdienen. Er spart für seinen Führerschein und möchte finanziell unabhängiger sein. Gleichzeitig erlebt er, was es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen – für Geld, für Waren und für den Umgang mit Menschen. „Man wächst da rein“, sagt er. „Am Anfang war ich unsicher, jetzt ist es aber schon deutlich angenehmer."
Wenn er den Supermarkt verlässt, liegt oft noch ein Abend mit Schulaufgaben vor ihm. Der Wechsel zwischen Unterricht und Arbeit verlangt Disziplin. Doch genau darin sieht Philip inzwischen einen Vorteil. „Ich glaube, ich nehme die Schule ernster, seit ich arbeite“, meint er. Der Alltag zwischen Schule und Regalen hat für ihn eine klare Bedeutung bekommen: Er ist ein Schritt in Richtung Selbstständigkeit gegangen.