Dogmatismus und die Moralpostel
Kommentar
Auf Social Media klammern sich die Leute heutzutage mehr an ihre eigene Meinung als an alles andere wie Fakten, Logik oder auch nur die Idee, dass man vielleicht nicht alles wissen kann. Ihre Ansichten sind absolut, unantastbar und natürlich die einzig moralisch korrekten. Diskussionen in den sozialen Netzen? Meistens nur noch von Vorwürfen und Streit geprägt. Sobald jemand eine andere Meinung äußert, wird er sofort als „böse“ abgestempelt. Es scheint, als habe kaum jemand noch Lust, wirklich zuzuhören oder die eigene Sicht zu hinterfragen.
Ein Teil davon hängt damit zusammen, dass viele Jugendliche heute sehr politisch ist. Das ist an sich positiv, jedoch führt dies oft zu Diskussionen, in denen kaum noch zugehört wird. Statt gemeinsam nach Lösungen zu suchen, wiederholen alle nur ihre Argumente und werfen Worte wie Faschismus und Narzissmus hin und her, als wäre es nichts . Besonders auffällig ist, wie manche so sehr darauf fixiert sind, anderen zu sagen, was richtig und falsch ist und sich selbst als Moralapostel darstellen, obwohl sie selbst nicht immer alles korrekt machen. Wieso sollen sie denn auch, es ist menschlich Fehler zu machen und aus diesen zu lernen. Leider entstehen dadurch oft extreme Shitstorms im Internet, bei denen Leuten vorgeworfen wird, etwas Falsches gesagt oder getan zu haben. Aber ist das denn so moralisch korrekt? Oder verdienen diese Menschen es, von tausenden gemobbt und beleidigt zu werden, da sie ja die “falsche Meinung” haben?
Auch die echte Welt außerhalb der Sozialen Medien wird davon beeinflusst: Dieser Dogmatismus und die Unfähigkeit, andere Meinungen zu akzeptieren und selbst zu reflektieren, schaffen eine Grundlage für extremistische Parteien. Wenn Menschen nur noch in ihren eigenen Meinungs-Bubbles leben, in denen Kompromisse tabu sind und Andersdenkende automatisch „böse“ sind, wirken radikale Parteien, die einfache Antworten liefern, plötzlich verlockend, weswegen sie von der Frustration der Bürger profitieren.
Natürlich gilt das nicht für alles. Meinungen, die offen rassistisch, sexistisch oder homophob sind, müssen klar abgelehnt werden und dafür sollte es auch absolut keine Toleranz geben. Akzeptanz bedeutet nämlich nicht, dass man jeder Meinung zustimmt, sondern dass man bereit ist, andere Perspektiven zu verstehen, bevor man sein Urteil fällt. Dies aber eben nur bei Meinungen, die keine Grundrechte oder die Würde anderer Menschen verletzen. MIt diesem Unterschied wird auch noch einmal klar, wie diffizil die Diskussionen im Internet sind und wie wichtig es ist, diese Grauzonen zu beachten.