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Eine Woche ohne Zocken - Mattis neuer Alltag

self-Logo 09.12.2025 Polly Schneiders

Immer mehr Jugendliche probieren sogenannte Digital-Detox-Phasen aus, kurze Pausen vom Handy, vom PC oder von sozialen Medien. Für viele klingt das erst einmal wie ein Trend, aber oft steckt dahinter der Wunsch, herauszufinden wie stark man eigentlich an digitalen Gewohnheiten hängt.

 

Auch mein Bruder Matti, 15, hat sich letzte Woche auf so eine Pause eingelassen. Normalerweise darf er jeden Abend drei bis vier Stunden zocken, Fortnite oder andere Spiele, meistens mit seinen Freunden. Das ist für ihn ein normales Hobby, auch wenn unsere Eltern darauf achten, dass es nicht zu viel wird. Wir haben uns zusammen darauf geeinigt, dass er eine Woche auf das Zocken zu verzichtet, um einfach mal zu schauen, wie eine Woche ohne Gaming läuft, für ihn, aber auch für uns als Familie.

 

 

Der erste Abend: Ungewohnte Ruhe

 

Am ersten Abend ohne PC wirkte Matti etwas verloren. Normalerweise verschwindet er abends direkt in sein Zimmer, Headset auf, PC an. Diesmal blieb er einfach im Flur stehen, so als wüsste er nicht genau, wohin mit sich. Er setzte sich zu uns ins Wohnzimmer, aber wirkte unruhig. Er hat nicht gejammert oder so, aber man merkte, dass er nicht wusste, was er mit seiner Zeit anfangen sollte. Es war einfach ungewohnt, für ihn und irgendwie auch für uns.

 

 

Zwischen Langeweile und neuen Freiräumen

In den nächsten Tagen passierte etwas, das ich so nicht erwartet hatte, Matti hatte plötzlich sehr viel Zeit. Keine festen Online-Termine mit seinen Freunden, keine Matches, keine Runden, die noch „kurz zu Ende“ gespielt werden mussten. Er ging öfter raus, half mehr mit und spielte sogar manchmal mit meinem anderen Bruder, ohne zu streiten. Gleichzeitig war er aber auch oft ratlos. Er sagte mir, dass das Schwierigste nicht das Nicht-Spielen an sich war, sondern dass seine Freunde abends online waren und er dadurch das Gefühl hatte, nicht dabei zu sein. Für ihn ist das gemeinsame Zocken nämlich auch ein sozialer Treffpunkt.


 

 

Interview mit Matti (15) 

Ich treffe ihn auf seinem Bett sitzend, die Hände hinter dem Kopf verschränkt. Er wirkt entspannt, aber auch ein wenig stolz, die Woche geschafft zu haben.

 

 

Ich: Wie hast du die Woche ohne Zocken erlebt?

 

Matti: Joa… irgendwie gleich? Also ich hab mich nicht anders gefühlt. Nur halt… ich hatte auf einmal viel mehr Zeit. Und wusste nicht, was ich damit machen soll.

 

 

Ich: Was war das Nervigste?

 

Matti: Dass alle meine Freunde abends online waren. Wenn du sonst immer dabei bist und dann auf einmal nicht, fühlt man sich echt komisch. So, als würde man was verpassen.

 

 

Ich: Und das Beste?

 

Matti: Hm. Vielleicht, dass ich gemerkt hab, dass ich nicht sterbe, wenn ich mal nicht zocke. Und ich war viel draußen. Das war eigentlich ganz nice.

 

 

Ich: Denkst du, du bist abhängig vom Zocken?

 

Matti: (zögert) Ich weiß nicht… vielleicht ein bisschen. Also… es gehört halt dazu. Ohne fühl ich mich lost.

 

 


Was sich verändert hat

Auch wenn Matti sagt, dass er sich „nicht anders“ fühlt, fand ich schon, dass man eine Veränderung gemerkt hat. Er war ansprechbarer und hat abends öfter Zeit mit uns verbracht. Er hat mehr geschlafen und war morgens weniger müde. Gleichzeitig wirkte er in manchen Momenten ein bisschen gelangweilt oder gereizt, einfach, weil ihm sein gewohnter Abend fehlte. Die Woche hat gezeigt, wie fest das Zocken in seinen Alltag eingebaut ist. Aber sie hat auch gezeigt, dass er nicht komplett von der Rolle fällt, wenn er mal nicht spielt. Er hat gemerkt, dass es Alternativen gibt, auch wenn sie ihm nicht alle gefallen.

 

 

Fazit

 

Die Woche ohne Gaming war kein dramatischer Neuanfang. Matti ist immer noch derselbe. Er spielt gerne, trifft abends gern seine Freunde online und braucht dieses Hobby auch als Ausgleich. Aber er hat gemerkt, dass er mehr Zeit hat, wenn der PC mal ausbleibt. Zeit, die er nicht unbedingt sinnvoll nutzen musste, aber nutzen konnte. Und vielleicht reicht genau diese Erkenntnis schon aus.


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