Quelle: heute.at https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/

Politik? Nebensache- besessen von Herkunkft und Religion

self-Logo 09.12.2025 Shalin Mohammad

Ein Kommentar zu dem Fokus den Journalisten auf Zohran Mamdanis Identität legen.

Es ist bemerkenswert und zugleich irritierend, wie die öffentliche Debatte derzeit um den neuen Bürgermeister von New York, Zohran Mamdani, geführt wird und wie oft der Blick vom Wesentlichen abgelenkt wird.  Statt seine politischen Ziele, seine Programmatik und seine gesellschaftlichen Vorstellungen ernsthaft zu diskutieren, kreist ein Großteil der Aufmerksamkeit um seine Herkunft und seine religiöse Zugehörigkeit: dass er Muslim ist, aus Uganda stammt und familiäre Wurzeln in Südostasien hat. Diese Details tauchen in Medienberichten mit großer Regelmäßigkeit auf. Oft stärker hervorgehoben als seine konkreten politischen Pläne. Man scheint mehr daran interessiert zu sein wer er ist, als daran, wofür er politisch steht.

So berichtete etwa die Zeitung taz über die Bürgermeisterwahl mit der Überschrift "Der muslimische Kandidat" und thematisierte in ihrem Artikel direkt, mit welchem antimuslimischen Widerstand Mamdani im Wahlkampf konfrontiert war. Auch der deutschsprachige Rundfunkanbieter Deutschlandfunk stellte in seiner Berichterstattung heraus, dass Mamdani der erste Muslim sei, der New Yorks Bürgermeisteramt erreichte und rückte damit Religion und Herkunft ins Zentrum der Berichtserstattung. Das Onlinemedium Vatican News griff ebenfalls hervor, dass Mamdani als "Mann Afrikas" und Hoffnungsträger vieler Schwarzer und Afroamerikaner gefeiert wird, womit erneut seine Herkunft betont wurde.

Dabei geht es nicht darum, diese Aspekte zu verschweigen: Herkunft und Religion gehören zu einer Person und können Teil ihrer Identität sein. Doch wenn genau diese Merkmale in der Berichterstattung dominieren, verblasst der eigentliche Gegenstand demokratischer Aufmerksamkeit: seine politischen Inhalte und das was er tatsächlich vorhat. Wir sind mehr als nur Religion und Herkunft. Zohran Mamdani vertritt konkrete Positionen zu sozialen Fragen, zu Ungleichheit, zu Wohnen und öffentlicher Infrastruktur. Also Themen, die Millionen von Menschen in New York unmittelbar betreffen. Die Obdachlosenrate in New York ist so hoch wie noch nie. Doch anstatt sich darüber Gedanken zu machen, müssen wir anscheinend erstmal in jedem Zeitungsbericht erstmal fettgedruckt klar machen, dass Zohran Mamdani Muslim und Afrikaner ist. So entsteht eine Debatte, die laut ist, aber inhaltlich arm bleibt. Sie erzeugt Aufmerksamkeit, aber keine Klarheit.

Der deutsche Pressekodex (Ziffer 12) mahnt zur Zurückhaltung, wenn es um die Hervorhebung von Herkunft oder Religion geht. Sie sollen nur dann erwähnt werden, wenn es für das Verständnis der Inhalte relevant sind. Nicht als Ersatz für inhaltliche Auseinandersetzung. Es schneit, ob dieser Pressekodex im Zohran Mamdani Fall stark ignoriert wird.

Dieses Muster ist gefährlich für eine politische Kultur, die eigentlich von Argumenten leben sollte. Wenn Herkunft mehr Gewicht bekommt als Haltung, wenn Identität mehr zählt als Inhalte, verliert Demokratie ihren Kern. Dann wird Politik zu einer Art Bühne für Symbolik, statt zu einem Raum für Problemlösungen.

Echte Gleichberechtigung bedeutet nicht, jemanden ständig als "Ausnahme" zu behandeln. Sie bedeutet, Menschen wie Zohran Mamdani einfach als das zu betrachten, was sie sind: Politiker, die sich an ihren Ideen und ihren Taten messen lassen müssen und nicht an ihrem Namen, ihrem Glauben oder ihrer Geschichte.

Vielleicht ist es an der Zeit, den Fokus zu verschieben. Weg von der Frage, was jemanden "anders" macht, hin zu der Frage, was jemand verändern will. Denn am Ende ist nicht entscheidend, woher ein Politiker kommt, sondern wohin er eine Gesellschaft führen möchte.


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