Temu - Shoppen wie ein Millionär!?
Wenn man momentan in Deutschland über Online-Shopping spricht, fällt immer wieder der Name Temu. Die App ist mittlerweile eine der meist heruntergeladenen Apps in ganz Deutschland, und jeder scheint zumindest einmal reingeschaut zu haben. Kein Wunder, schon beim Öffnen wird man mit Rabatten überschüttet, mit Spielen begrüßt und in eine Welt gezogen, die einen komplett reizüberflutet. Doch wie schafft es die App mit extrem günstigen Preisen und einer unendlich wirkenden Auswahl dennoch einen Milliarden Umsatz zu machen? In meinen Recherchen decke ich die Ziele und das Konzept der App auf und zeige wie diese es schafft ihre Nutzer mit einfachen Tricks bei der App zu halten.
Dafür habe ich mir extra einen neuen Account erstellt, um mir das alles genau anzusehen, und einen Überblick über die App zu bekommen. Öffne ich die App, weiß ich erst garnicht, wo ich zuerst hinschauen soll. Es blinken Geschenke auf, Glücksspiele laufen im Hintergrund, die Farben sind so grell, dass man gar nicht wegschauen kann. Die App nutzt nämlich viele sogenannte „Dark Patterns“, also Tricks, die Nutzer länger in der App halten sollen – zum Beispiel Zeitdruckanzeigen wie „Nur noch 3 Minuten!“, obwohl das Angebot eigentlich immer wieder neu erscheint. Viele Experten kritisieren genau solche Mechanismen, denn angebliche Knappheit und häufige Rabattaktionen wirken oft nur täuschend.
Während ich durch die Produkte scrolle, fällt mir auf, dass die Auswahl wirklich riesig ist. Alles ist irgendwie ästhetisch fotografiert, oft sieht vieles viel hochwertiger aus, als es wahrscheinlich in echt ist. Und genau das macht mich skeptisch, denn die Preise passen nicht zu den Bildern. Eine Handyhülle für vier Euro, eine Kamera für zehn Euro, ein T-Shirt für fünf Euro. Für die meisten Sachen würde man im Laden locker das Dreifache bezahlen. Ich frage mich, wie das überhaupt funktionieren kann. Doch die Antwort ist simpel. Die meisten Produkte auf Temu sehen zwar hochwertig aus, sind es jedoch nicht. Dies kennt man schon von vielen andern chinesischen online Shops, wie z.B Aliexpress. Die meisten Produkte werden sehr billig hergestellt und für das 5 bis 10 fache verkauft, damit macht Temu Milliarden an Umsatz. Doch das auf die Kosten von Tausenden von Arbeitern, welche täglich bis zu 12 Stunden in den Fabriken und Lagerhallen von Temu arbeiten und das unter sehr schlechten Arbeitsbedingungen und einem unterirdischen Lohn, welcher ihnen nur knapp zum Leben reicht. Oft finden Käufer auch geheime Hilferufe in ihren Produkten, die höchst wahrscheinlich von den Fabrikarbeitern stammen.
Eine weitere Problematik an Temu ist jedoch auch ,dass die App große Lücken im Datenschutz hat. Immer wieder liest man, dass die App mehr Daten einsammelt, als eigentlich nötig ist, vom Verhalten in der App über Standortinfos bis hin zu Kontakten. Manche Experten sprechen sogar von einer ziemlich intensiven Nutzerüberwachung, bei der Temu genau beobachtet, was man anklickt, wie lange man schaut oder wann man kauft. All diese Daten sollen helfen, die App noch besser an den Nutzer anzupassen und zu optimieren und immer passendere Angebote anzuzeigen. Die Gefahr besteht darin, dass Temu mit den Daten eines Nutzers alles machen kann. Sie könnten die Daten z.B verkaufen und damit Hackern eine leichte Chance geben Nutzer zu hacken.
Für meine Recherche zur Nutzung von Temu in Deutschland, frage ich in meiner Klasse herum, ob meine Mitschüler schon einmal bei Temu bestellt haben. Was mich überrascht ist, dass die Begeisterung fast überall gleich ist: Man bekommt super viele Rabatte, die Auswahl ist riesig, und man findet irgendwie immer etwas, das man „mal eben“ mit bestellt. Viele sagen mir aber auch, dass sie ihre Kleidung eher bei Shein kaufen, dem großen Konkurrenten von Temu. Trotzdem bleibt Temu die App, die gefühlt jeder heruntergeladen hat, allein schon wegen der Neugier und wegen der vielen kostenlosen Spiele in der App, die einen festhalten. Kaum jemand denkt dabei daran, dass Temu vermutlich genau weiß, wie lange man gescrollt hat und welche Produkte einen am meisten interessieren. Auch der schlechten Qualität der Produkte und den unmenschlichen Arbeitsbedingungen der Fabrikarbeiter ist sich keiner bewusst.
Damit ich nicht nur in der Theorie bleibe, habe ich eine Freundin besucht, die gerade ein Temu-Paket bekommen hat. Wir setzen uns zusammen hin, öffnen das Paket. Es ist nur mit einer dünnen Plastikhülle verpackt und die Produkte liegen lose und in viel Plastik verpackt darin. Es sind ein paar Klamotten, eine Handyhülle, Dekoartikel, sogar ein paar Schminkpinsel und ein LED-Lichtband. Beim Auspacken merke ich sofort, wie unterschiedlich die Qualität ist. Das T-Shirt sieht auf den ersten Blick schön aus, fühlt sich aber sehr dünn an. Die Handyhülle ist deutlich billiger als sie auf den Fotos aussieht, sehr dünn und billig verarbeitet. Die Schminkpinsel wirken in Ordnung. Das LED-Lichtband dagegen funktioniert überraschend gut. Was mir auffällt ist, dass viele Produkte dem Preis entsprechen und eher billig sind und keine gute Qualität haben, doch es auch Ausnahmen gibt, in denen die Produkte für ihren Preis sogar viel besser sind.
Je länger ich mich mit Temu beschäftige, desto klarer wird mir: Das Erfolgsmodell der App hängt stark von Rabatten, psychologischen Tricks und den Nutzerdaten ab, aber auch davon, dass Temu ohne Zwischenhändler verkauft. Die Produkte kommen direkt aus chinesischen Fabriken und werden ohne Umwege verschickt, was die Preise extrem senkt. Trotzdem frage ich mich weiterhin, wie Temu das alles finanziert , vor allem weil sie so viel Werbung schalten.
Bei weiterer Recherche stoße ich darauf, dass Temu im letzten Jahr rund 517 Millionen US-Dollar allein zwischen September und Dezember 2023 für Werbung ausgegeben hat und dass die Werbeausgaben im Vergleich zum Vorjahr um etwa 1000 % gestiegen sind. Außerdem hat Temu mehrfach Werbespots beim Super Bowl geschaltet, was normalerweise nur sehr bekannte und große Unternehmen mit viel Geld tun. Temu schaffte es sogar in einem Jahr Zehntausende Werbeanzeigen zu schalten. Viel mehr als große Konkurrenten wie Amazon schaffen würden. Der Vergleich zeigt klar: Während Amazon und andere etablierte Shops relativ überschaubar werben, setzt Temu auf eine maximale Präsenz. Das erklärt auch, warum man das Logo wirklich fast überall sieht und warum so viele junge Leute Temu kennen, selbst wenn sie dort noch nie bestellt haben. Dazu kommt: Laut eigenen Angaben hatte Temu in der EU im ersten Halbjahr 2025 durchschnittlich etwa 115,7 Millionen monatlich aktive Nutzer und davon alleine in Deutschland etwa 19,3 Millionen. Damit ist Deutschland der größte europäische Markt für Temu.
All das ergibt für mich das Bild von Temu als riesigen Online Shop, der bewusst mit extrem niedrigen Preisen, starkem Marketing und Nutzermanipulation arbeitet, um möglichst viele Menschen zum Kaufen zu bewegen. Man kann Glück haben und ein gutes Produkt finden zu einem günstigen Preis, man kann aber auch viele schlechte und billige Produkte finden die selbst einen extrem günstigen Preis nicht wert sind. Gleichzeitig muss man wissen, dass die Qualität sehr verschieden ist und dass die extrem niedrigen Preise irgendwo ihren Preis haben ,sei es bei Arbeitsbedingungen, Nachhaltigkeit, Datenschutz oder einfach der Haltbarkeit der Produkte. Sogar Datenschutzexperten warnen, dass Temu mitunter weit mehr Daten sammelt, als bei einem simplen Online-Shop nötig wäre, und dass die Überwachung der Nutzer womöglich weit über das hinausgeht, was man als Nutzer weiß.
Trotzdem verstehe ich, warum Temu so beliebt ist. Es ist günstig, bunt und spannend. Es spricht Leute an, die nicht viel Geld ausgeben wollen oder haben . Aber genau darin liegt auch die Gefahr. Man muss aufpassen, dass man nicht mehr bestellt, als man braucht – und dass man nicht alles glaubt, was die Bilder und Angebote versprechen. Und man sollte sich bewusst machen, dass hinter dem Preis immer Kosten für Umwelt, Arbeit, Privatsphäre und Qualität stecken.