Unangekündigte HÜs – effektives Prüf- oder Druckmittel?
Am 18. August 2025 sprach sich der rheinland-pfälzische Bildungsminister Sven Teuber gegen jegliche Art von unangekündigten Hausaufgabenüberprüfungen aus. Dies traf auf viel Resonanz, vor allem unter den rheinland-pfälzischen Schüler*innen. Doch würde das bedeuten, dass der eigentliche Zweck einer akkuraten Überprüfung des Lernfortschrittes somit nicht mehr gewährleistet werden kann?
Einige Schüler*innen sowie Eltern behaupten, dass man diesem Zweck zuvor schon nicht nachkam, sondern diese Tests häufig als Druckmittel oder „Bestrafung“ der Klasse verwendet werden. Tatsächliche Hausaufgaben würden nur selten überprüft werden, stattdessen werden ganze Lerninhalte der letzten Doppelstunde, was offiziell auch erlaubt ist, abgefragt.
Doch warum lösen diese unangekündigten Tests so eine große Angst und Panik unter den Schülerschaften aus? Wie eine Studie (1) der Universität Bayreuth im Jahr 2022 bestätigte, führen solche Leistungskontrollen zu weniger Freude am Lernen und einer niedrigeren Leistungsfähigkeit. Das Lernklima leidet darunter erheblich und betrifft besonders unsichere Schüler*innen, welche ohne hin unter extremen Schuldruck stehen. Die stetige Befürchtung einer potentiellen Hausaufgabenüberprüfung geht mit einer schlechteren Konzentration einher.
Zudem wird der Einsatz dieser unangekündigten Tests kritisiert. Schüler*innen berichten, dass diese häufig dann stattfinden, wenn in der Klasse zuvor ein schlechteres Lernklima herrschte, Hausaufgaben fehlten oder sich sonstige „zu bestrafenden“ Situationen ereigneten. Die Lernergebnisse waren demnach bedeutend schlechter als bei einer angekündigten Lernüberprüfung.
Allerdings ist nicht abzustreiten, dass das Lernen für einen angekündigten Test häufig nicht nachhaltig geschieht. Das sogenannte „Bulimie-Lernen“, das kurzfristige Auswendiglernen, kann zwar in dem folgenden Test zu einer guten Note beitragen, bewirkt aber in den meisten Fällen nur einen schwachen Langzeiteffekt.
Kontinuierliches und nachhaltiges Lernen kann nur mit regelmäßiger Einbindung der Schüler*innen erzielt werden. Unangekündigte Tests sind in der praktischen Umsetzung dabei eher kontraproduktiv. Angekündigte Tests helfen dabei auch nur bedingt. Man kann mit Sicherheit sagen, dass die Leistungsbewertung in Noten immer zu einer gewissen Angst unter den Lernenden führen wird. Daher ist es umso wichtiger, an einer offenen Lernkultur zu arbeiten, bei der Schüler*innen durch ein lockeres Schulklima in Partizipation und Motivation zum Lernen gefördert werden.
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(1) Die Studie der Universität Bayreuth:
M. Bieleke, J.-M. Schwarzkopf, T. Götz, L. Haag: The agonizing effects of uncertainty: Effects of announced vs. unannounced performance assessments on emotions and achievement. PLOS ONE (2022), 17(8): e0272443. DOI: doi.org/10.1371/journal.pone.0272443