Anna und die Lösung aus der Suizid-Krise

self-Logo 28.07.2025 Omar,Natalie

Interviewer : Vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, mit mir zu sprechen. Ich weiß, dass das Thema schwer ist. Möchtest du dich kurz vorstellen?


Betroffene Person : Ich heiße Anna, bin 27 Jahre alt und lebe in einer Großstadt. Ich kämpfe seit meiner Jugend mit Depressionen. Vor etwa einem Jahr hatte ich ernsthafte Suizidgedanken – es war eine sehr dunkle Zeit.


I: Was hat dich damals so tief in die Krise gestürzt?


BP: Es war nicht eine einzige Sache. Es war ein langsames Abgleiten. Erst die ständige Erschöpfung, dann das Gefühl, nichts wert zu sein. Ich hatte das Gefühl, dass ich allen zur Last falle. Beruflich lief es nicht gut, meine Beziehung war toxisch. Irgendwann war da nur noch Leere.


I: Gab es einen Moment, an dem du wusstest: Jetzt brauche ich Hilfe?


BP: Ja. Ich saß abends auf meinem Bett und hatte alles geplant. Ich hatte einen Abschiedsbrief geschrieben. Aber dann habe ich plötzlich an meine kleine Schwester gedacht. Sie hat mir mal gesagt: „Ohne dich wäre mein Leben viel weniger bunt.“ Das hat mich zum Weinen gebracht. Ich habe noch in der gleichen Nacht die Telefonseelsorge angerufen.


I: Das war ein mutiger Schritt. Wie ging es danach weiter?


BP: Ich bin in eine psychiatrische Klinik gegangen. Es war nicht einfach, aber es hat mir geholfen. Ich bekam Medikamente, Gesprächstherapie, Gruppentherapie. Vor allem habe ich gelernt, dass ich nicht allein bin mit diesen Gedanken – und dass es okay ist, Hilfe zu brauchen.


I: Was würdest du jemandem sagen, der sich heute in einer ähnlichen Situation befindet?


BP: Sprich mit jemandem – sofort. Egal ob Freund, Ärztin, Seelsorge oder Notruf. Du bist kein Versager, wenn du leidest. Und auch wenn dein Gehirn dir sagt, dass es keinen Ausweg gibt – das stimmt nicht. Es gibt immer einen Weg zurück ins Leben.


I: Wie geht es dir heute?


BP: Es gibt gute und schlechte Tage. Aber ich bin wieder da. Ich habe Hobbys, Freunde, einen verständnisvollen Therapeuten. Ich lebe. Und ich bin dankbar dafür.


I: Danke, Anna, dass du deine Geschichte mit uns teilst. Du gibst damit vielen Menschen Mut.


Wichtiger Hinweis:

Wenn du selbst unter suizidalen Gedanken leidest oder jemanden kennst, der betroffen ist – bitte suche Hilfe. In Deutschland erreichst du rund um die Uhr kostenlos die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. Du bist nicht allein.


Promedia Maassen
28.07.2025 16:15 Uhr
Lieber Omar, liebe Natalie, vielen Dank für euren Blogbeitrag zu einem so wichtigen, aber auch sensiblen Thema. Auch vielen Dank an Anna, die sich getraut hat, mit euch über etwas so persönliches und sicherlich herausforderndes zu sprechen. Es ist schön zu hören, dass sie einen Ausweg aus einer scheinbar ausweglosen Situation gefunden hat und den Mut hatte, sich Unterstützung zu suchen. Für Betroffene kann es bestimmt hilfreich sein, von jemandem, der die eigene Situation versteht und nachfühlen kann, zu hören, dass an jedem Tunnel irgendwann ein Licht auftaucht und Depressionen keine Schwäche sind. Auch ein Kompliment an euch, dass ihr an den Verweis auf das Hilfetelefon gedacht habt, so etwas ist bei diesem Thema immer wichtig. Ihr seid als Interviewer angemessen und behutsam an das Thema herangegangen. Viele Grüße vom Projektteam Promedia Maassen

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